„Als wissenschaftlich ausgerichteter Mensch kann ich nicht an Gott glauben“

Weit verbreitet ist die Ansicht, naturwissenschaftliche Bildung und der Glaube an einen Gott seien unvereinbar, oder dass die Wissenschaft die Nichtexistenz Gottes erwiesen hätte. Dabei wird häufig angenommen, Gott sei ein Konstrukt von Menschen, die damit alles, was für sie unerklärlich ist, erklären wollten. Auch als Mittel zur Machtentfaltung und -erhaltung habe dieses übermächtige, unsichtbare Wesen dem lange Zeit so mächtigen „geistlichen“ Stand gedient. Es soll hier nicht geleugnet werden, dass es so etwas gab und gibt, doch ist es gewagt und hochmütig, alle Gotteserfahrungen von Menschen damit von vornherein als Irrtümer oder Betrug abzutun. Vielmehr ist es notwendig, die Aufgaben und Grenzen der Naturwissenschaft zu erkennen und sich der Frage des Glaubens in der ihr angemessenen Weise zu nähern.

Natürlich ist es richtig, dass naturwissenschaftliche Forschung Gott methodisch unberücksichtigt lässt, d. h. dass es nicht erlaubt ist, irgendwelche Lücken in der Kette der erforschbaren Dinge mit einem Wunder, einem Eingriff Gottes zu erklären und als wissenschaftliche Erkenntnis zu präsentieren. Darin sind sich alle seriösen Wissenschaftler einig. Diese Vorgehensweise ist aber keineswegs ein Argument, dass Gott nicht existiert. Gott kann nicht zum Thema wissenschaftlicher Diskussionen werden, weil er die Wissenschaft übersteigt. Als begrenzte Analogie könnten wir z. B. die Geometrie nehmen. Die Geometrie setzt das Leben ihrer Begründer wie Platon und Euklides voraus, jedoch könnten wir kaum anhand geometrischer Begriffe die Existenz dieser Forscher beweisen. Ähnlich ist Gott in seiner Schöpfung erkennbar, aber die Wissenschaft kann ihn innerhalb ihres Rahmens nicht fassen und beweisen. Um Gott zu verstehen müssen wir auch das einbeziehen, was nicht messbar ist. Wir meinen damit keine Scharlatanerie sondern z. B. die Schönheit, den Sinn und Wert der Dinge oder die selbstlose Liebe. Forscher wie Kepler, Newton, Faraday, Pasteur und Planck – um nur einige zu nennen – die mit bahnbrechenden Erkenntnissen die Physik und die Technik nachhaltig geformt haben, sind methodisch „atheistisch“ vorgegangen, obwohl sie überzeugte Theisten waren. Sie glaubten – wie jeder Forscher – an die Erforschbarkeit der physikalischen Zusammenhänge in unserem Universum, an dessen logischen Aufbau und damit an die Existenz von Naturgesetzen. Sie erkannten ferner an, dass Gott kein Gegenstand der Forschung sein kann, da er als Schöpfer aller Dinge – also auch der Naturgesetze – jenseits unseres wissenschaftlichen Erkenntnishorizonts stehen muss. Man kann also Gottes Existenz und seine Schöpferkraft wissenschaftlich weder beweisen noch widerlegen. Wer daher meint, kraft seiner eigenen Vernunft und seiner wissenschaftlichen Kenntnis zu wissen, Gott existiere nicht, hat die Grenzen seines Fachs längst überschritten. Er ist somit in gleicher Weise pseudo-wissenschaftlich wie diejenigen, die Gottes Existenz mit Hilfe der Forschung beweisen wollen.

Diese naturwissenschaftliche Unbeweisbarkeit hat aber nicht zur Folge, dass wir gar nichts über Gott wissen können. So ist es sehr wohl erlaubt und erscheint auch vernünftig, aus dem Vorhandensein von Naturgesetzen auf einen Gesetzgeber oder aus der Zweckmäßigkeit der vielen Phänomene auf einen Planer zu schließen. Jeder, der hier aufhört nachzudenken, handelt zwar streng genommen nicht unwissenschaftlich, wendet aber logische Schlussfolgerungen ganz bewusst nicht an, die ihm sonst im Alltag so geläufig sind und vieles erkennen lassen. So gehen wir selbstverständlich davon aus und prüfen das auch nicht nach, dass das Computerprogramm, welches wir nutzen, von einem oder mehreren Menschen geplant und programmiert wurde, und dass diese sich bei jedem Detail etwas gedacht haben. Die Annahme, es gäbe dafür keinen Planer, könnten wir niemals ernst nehmen. Die wesentlich umfassenderen und komplizierteren Baupläne selbst für das kleinste Lebewesen werden jedoch leichtfertig als Produkte völlig ungewollter, chaotischer Kräfte angesehen. Dieser Schluss ist nicht logisch und ist nicht das Ergebnis wissenschaftlicher Studien.

Jeder Atheist sollte sich deshalb darüber im Klaren sein, dass seine Annahme, es gäbe keinen Gott, eben nichts weiter als eine unbeweisbare und obendrein nicht gerade logische Vermutung ist, die folgende „Glaubensgrundsätze“ hat:

  • Entstehung aller Dinge aus Zufall oder (unbewiesener) Notwendigkeit, ohne Grund und Ziel
  • Entstehung von erforschbaren Gesetzmäßigkeiten ohne Plan und Zweck
  • Materie bringt aus sich selbst Leben hervor – selbst Strukturen wie die DNA und das Gehirn
  • Entstehung des Geistes, des Gewissens und des freien Willens ohne Vorlage und ohne Sinn

Auch wenn manche Atheisten sich dessen nicht bewusst sind, steht hinter ihrer Ansicht die Botschaft, dass es kein ewiges Leben und damit keinen Sinn für unser Leben überhaupt gibt. Für einen gläubigen Menschen jedoch bedeutet Glaube an Gott, diesem als Schöpfer und als absolut guten und gerechten Richter das eigene Leben anzuvertrauen und entspringt der Gewissheit, dass unser Dasein Grund und Ziel von Ihm hat. Es geht dabei nicht um Erklärung physikalischer Probleme, sondern um den Sinn des Lebens! Diese wenigen Gedanken sollen allen, die der Frage nach Gott bisher wegen ihrer naturwissenschaftlichen Prägung oder aus anderen Gründen ausgewichen sind, helfen zu verstehen, dass Naturwissenschaft hierzu keinen Beitrag zu leisten vermag. Vielmehr ist Gott denen verborgen, die ihn nicht suchen – und umgekehrt, wie auch ein Wort von Jesus bezeugt:

Suchet, so werdet ihr finden…
denn wer da sucht, der findet … (nachzulesen in der Bergpredigt, Matthäusevangelium Kapitel 5-7)

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