Was-CHRISTEN.-glauben.info..aktualisiert: 1. März 2006
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Die sichtbare Kirche
(FORTSETZUNG)

Andere falsch ausgelegte Stellen:

2. Timotheus 2,16-21

"Die unheiligen, leeren Geschwätze aber vermeide; denn sie werden zu weiterer Gottlosigkeit fortschreiten, und ihr Wort wird um sich fressen wie Krebs. Dazu gehören Hymenäus und Philetus, die von der Wahrheit abgeirrt sind, indem sie sagen, dass die Auferstehung schon geschehen sei, und den Glauben mancher zerstören. Doch der feste Grund Gottes steht und hat dieses Siegel: Der Herr kennt, die sein sind; und: Jeder, der den Namen des Herrn nennt, stehe ab von der Ungerechtigkeit! In einem großen Haus aber sind nicht allein goldene und silberne Gefäße, sondern auch hölzerne und irdene, und die einen zur Ehre, die anderen aber zur Unehre. Wenn nun jemand sich von diesen reinigt, wird er ein Gefäß zur Ehre sein, geheiligt, nützlich dem Hausherrn, zu jedem guten Werk bereitet."

Das Haus, das Paulus in Vers 20 erwähnt, wird mit der Kirche identifiziert und die Gefäße zur Ehre und zur Unehre werden gewöhnlich auf die Gläubigen und Ungläubigen bezogen beziehungsweise auf die Menschen, die zusammen in der Gemeinde sind.

Es ist richtig, das Haus auf die Kirche zu beziehen, da es auch im Zusammenhang um das Leben der Gemeinde geht: es gab gnostische Irrlehrer, von denen man sich klar fernhalten sollte, da ihre Lehre wie Krebs um sich fraß und sie bereits den Glauben von vielen durcheinander gebracht hatten. Aber wer sind die Gefäße zur Ehre und zur Unehre? Im griechischen Text werden die Wörter τιμη [time] = Ehre, Wert, Größe (Elberfelder: Gefäß zur Ehre) und ατιμια [atimia] = Unehre, das Gegenteil von τιμη [time] (Elberfelder: Gefäße zur Unehre) verwendet. Sie leiten sich ab von den Verben τιμαω [timao] = schätzen, ehren und ατιμαζω [atimadzo]= nicht schätzen. Auch in 1. Korinther 12,23 verwendet Paulus das Wort, das von τιμη [time] abgeleitet ist: ατιμοτερος [atimoteros] = verachteter, Elberfelder: "weniger ehrbare". Diese Stelle kann uns helfen, dem näher zu kommen, was Paulus in 2. Timotheus 2,20 mit den Gefäßen zur Ehre und Unehre meinte.

"Denn wie der Leib einer ist und viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obgleich viele, ein Leib sind: so auch der Christus. Denn in einem Geist sind wir alle zu einem Leib getauft worden, es seien Juden oder Griechen, es seien Sklaven oder Freie, und sind alle mit einem Geist getränkt worden." (1. Korinther 12,12-13)

"Das Auge kann nicht zur Hand sagen: Ich brauche dich nicht; oder wieder das Haupt zu den Füßen: Ich brauche euch nicht; sondern gerade die Glieder des Leibes, die schwächer zu sein scheinen, sind notwendig; und die uns die weniger ehrbaren am Leib zu sein scheinen, die umgeben wir mit reichlicherer Ehre; und unsere nichtanständigen haben größere Wohlanständigkeit; unsere wohlanständigen aber brauchen es nicht. Aber Gott hat den Leib zusammengefügt und dabei dem Mangelhafteren größere Ehre gegeben, damit keine Spaltung im Leib sei, sondern die Glieder dieselbe Sorge füreinander hätten." (1. Korinther 12,21-25)

Hier werden die wohlanständigen und die nichtanständigen (schwächeren, weniger ehrbaren) Mitglieder unmissverständlich als Christen bezeichnet, da diese Stelle gerade die Botschaft hat, dass jeder Christ im selben Maß wertvoll ist durch den Heiligen Geist, der in ihm wohnt, unabhängig von seinen Gaben. So wie jedes Glied des Leibes mit dem Kopf verbunden ist und ihm gehorcht, so ist jedes Mitglied der Gemeinde in Verbindung mit Christus. Diese Stelle zerschlägt Augustinus` Kreation vom "corpus permixtum" (Der Leib ist in Wirklichkeit nur in der Weise gemischt, dass verschiedene Glieder verschiedene Gaben haben oder dass sich die Glieder auf verschiedenen Niveaus an Gehorsam befinden und nicht, weil einige eine Beziehung zu Gott haben und andere nicht). Aber die Stelle hilft auch die Bedeutung von den "Gefäßen" in 2. Timotheus 2 zu verstehen. Die "Gefäße zur Ehre" und die "Gefäße zur Unehre" bezeichnen nicht die gläubigen und die ungläubigen Glieder, sondern bezeichnen aufgrund des Zusammenhanges diese Glieder, die im Glauben und in der Lehre fest stehen und jene, die schwächer sind und von Irrlehrern beeinflusst werden können. Sich von "diesen" zu reinigen (im griechischen wird das Demonstrativpronomen: αποτουτων [apo touton] verwendet, welches wörtlich "von diesen" heißt) ist ein ähnlicher Gedanke wie der im Vers 19 "jeder stehe ab von der Ungerechtigkeit...". Das Demonstrativpronomen "diese" bezieht sich nicht auf die Gefäße zur Unehre (auch jene, die die Lehre der unsichtbaren Kirche vertreten, können nicht so denken, da sie sich nicht von den Ungläubigen in der Kirche trennen wollen), sondern auf die Irrlehren und Irrlehrer. Die "Gefäße zur Unehre" dürften dem Einfluss nachgegeben haben, aber wenn sie sich selbst vom Einfluss der Irrlehrer trennen, dann werden sie "Gefäße zur Ehre sein, geheiligt, nützlich dem Hausherrn, zu jedem guten Werk bereitet."

1. Korinther 15,34

"Werdet rechtschaffen nüchtern und sündigt nicht, denn manche sind in Unwissenheit über Gott; zur Beschämung sage ich es euch."

Der Zusammenhang ist die richtige Vorstellung über die Auferstehung. Einige Christen in Korinth, die dem Einfluss des griechischen Denkens Raum gegeben hatten, dachten falsch über die Auferstehung (anstelle der Auferstehung im Leib glaubten sie nur an eine Weiterexistenz des Geistes). Paulus nennt dieses Denken als weit entfernt sein von Gott. Jemand, der in diesem Punkt falsch denkt, hat in Wirklichkeit kein richtiges Gottesbild. Paulus ermahnt sie mit so starken Worten (manche sind in Unwissenheit über Gott) um zu zeigen: sie können nicht in dieser Vorstellung bleiben, sie müssen sie ändern. Von den Eingangsgrüßen des Briefes her (oben zitiert) ist es klar, dass in der Gemeinde in Korinth jeder Gott "kannte", jeder eine Beziehung mit Gott hatte.

"Gott ist treu, durch den ihr berufen worden seid in die Gemeinschaft seines Sohnes Jesus Christus, unseres Herrn." (1. Korinther 1,9)

Matthäus 25,1-13

"Dann wird es mit dem Reich der Himmel sein wie mit zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und ausgingen, dem Bräutigam entgegen. Fünf aber von ihnen waren klug und fünf töricht. Die, welche töricht waren, nahmen ihre Lampen und nahmen kein Öl mit sich; die Klugen aber nahmen Öl in ihren Gefäßen samt ihren Lampen. Als aber der Bräutigam auf sich warten ließ, wurden sie alle schläfrig und schliefen ein. Um Mitternacht aber entstand ein Geschrei: Siehe, der Bräutigam! Geht aus, ihm entgegen! Da standen alle jene Jungfrauen auf und schmückten ihre Lampen. Die Törichten aber sprachen zu den Klugen: Gebt uns von eurem Öl, denn unsere Lampen erlöschen. Die Klugen aber antworteten und sagten: Nein, damit es nicht etwa für uns und euch nicht ausreiche; geht lieber hin zu den Verkäufern und kauft für euch selbst. Als sie aber hin gingen, zu kaufen, kam der Bräutigam, und die bereit waren, gingen mit ihm ein zur Hochzeit; und die Tür wurde verschlossen. Später aber kommen auch die übrigen Jungfrauen und sagen: Herr, Herr, tue uns auf! Er aber antwortete und sprach: Wahrlich, ich sage euch, ich kenne euch nicht. So wacht nun, denn ihr wisst weder den Tag noch die Stunde."

Die törichten Jungfrauen sind tatsächlich zusammen mit den weisen, aber warum sollte das Gleichnis über Gläubige und Ungläubige sprechen, die zusammen in der Kirche leben? Weiter oben haben wir schon ausführlich bewiesen, dass die Bibel so eine Situation nicht kennt. Das Gleichnis konnte zum Nachdenken anregen - die Juden, die Jesus zuhörten, sich aber noch nicht bekehrt hatten und gleichzeitig die Jünger, die Jesus nachfolgten. Die Juden dachten, dass sie alle mit dem Messias zusammen regieren werden, wenn er kommt, da sie das erwählte Volk sind. Das Gleichnis macht klar, dass nicht jeder, der denkt, am Hochzeitsmahl teilnehmen zu können, dies auch kann. Es gibt eine Voraussetzung für das Eintreten: man muss bereit sein. Bereit zu sein im Fall der Juden bedeutete, den zu akzeptieren, der von Gott gesandt war, das ist Jesus. Das Gleichnis konnte auch eine Ermahnung für die Jünger sein: Es ist nicht genug, mit Jesus zu beginnen - sie müssen mit ihm wachsam bis zum Ende ausharren. Das ist auch für die Kirche gültig. Auch in der Kirche können solche Christen sein, die umgekehrt sind und ihr Leben Gott gegeben haben, aber später abfallen und sich von ihm abwenden werden. (Es gibt mehrere Stellen im Neuen Testament, die über Abfall(5) sprechen, z.B. Hebräer 6,4-8; 10,24-31). Wenn sich aber jemand entscheidet, nicht mit Gott zu leben, hat er keinen Platz mehr in der Gemeinde.

Johannes 10,14-16

"Ich bin der gute Hirte; und ich kenne die Meinen und bin gekannt von den Meinen, wie der Vater mich kennt und ich den Vater kenne; und ich lasse mein Leben für die Schafe. Und ich habe andere Schafe, die nicht aus diesem Hof sind; auch diese muss ich bringen, und sie werden meine Stimme hören, und es wird eine Herde, ein Hirte sein."

Jesus spricht über die eine Herde in der Zeitform der Zukunft. Das ist der Grund, warum viele Menschen unter der Herde jene Gläubigen verstehen, die Jesus aus verschiedenen sichtbaren christlichen Glaubensgemeinschaften am letzten Tag zusammen sammeln wird: dann werden die Gläubigen, die in vielen verschieden Herden verstreut sind, in einer Herde vereint. Aber warum sollen wir die Zeitform der Zukunft auf den letzten Tag beziehen? Es kann jedes andere spätere Ereignis meinen. Jesus spricht über jene, die "aus diesem Schafstall" sind und jene, die nicht daraus sind. Aus dem ersten Schafstall hat er bereits die Schafe gerufen und die anderen Schafe wird er später rufen. Jene Schafe, die auf die Stimme des guten Hirten hören, werden eine Herde bilden. Worauf würde sich entsprechend der Theorie von der unsichtbaren Kirche der erste Schafstall beziehen? Auf welche Kirche? Wie hätte Jesus überhaupt über Kirche sprechen können, wenn Kirche noch nicht existiert hat? In Vers 16 verwendet er das spezielle Demonstrativpronomen "dieser": "aus diesem Schafstall". Dieser Schafstall muss Israel symbolisieren, da Jesus die Söhne Israels während seines irdischen Dienstes gerufen hat.

"Diese zwölf sandte Jesus aus und befahl ihnen und sprach: Geht nicht auf einen Weg der Nationen, und geht nicht in eine Stadt der Samariter; geht aber vielmehr zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel. Wenn ihr aber hingeht, predigt und sprecht: Das Reich der Himmel ist nahe gekommen." (Matthäus 10,5-7)

Die anderen Schafe beziehen sich logischerweise auf die Heiden. Jesus wollte darauf hinweisen, dass es auch Menschen unter den Heiden gab, die seinem Ruf folgen würden. Die Jünger erfuhren das tatsächlich nach einigen Jahren. Diese Erfahrung ist von Paulus im Brief an die Epheser zusammengefasst:

"Deshalb denkt daran, dass ihr, einst [aus den] Nationen dem Fleisch nach - `Unbeschnittene` genannt von der sogenannten `Beschneidung`, die im Fleisch mit Händen geschieht -, zu jener Zeit ohne Christus wart, ausgeschlossen vom Bürgerrecht Israels und Fremdlinge hinsichtlich der Bündnisse der Verheißung; und ihr hattet keine Hoffnung und wart ohne Gott in der Welt. Jetzt aber, in Christus Jesus, seid ihr, die ihr einst fern wart, durch das Blut des Christus nahe geworden. Denn er ist unser Friede. Er hat aus beiden eins gemacht und die Zwischenwand der Umzäunung abgebrochen. In seinem Fleisch hat er die Feindschaft, das Gesetz der Gebote in Satzungen, beseitigt, um die zwei - Frieden stiftend - in sich selbst zu einem neuen Menschen zu schaffen und die beiden in einem Leib mit Gott zu versöhnen durch das Kreuz, durch das er die Feindschaft getötet hat. Und er kam und hat Frieden verkündigt euch, den Fernen, und Frieden den Nahen. Denn durch ihn haben wir beide durch einen Geist den Zugang zum Vater. So seid ihr nun nicht mehr Fremde und Nichtbürger, sondern ihr seid Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen." (Epheser 2,11-19)

Folglich hat die Vereinigung der Schafe der beiden Schafställe bereits zu jener Zeit in den sichtbaren Kirchen stattgefunden. Deshalb ist es klar, dass Johannes 10 keine Grundlage bietet, die Lehre der unsichtbaren Kirche abzuleiten.

Zusammenfassung

Auch ohne andere Bibelstellen zu prüfen, können wir festhalten, dass die Lehre der unsichtbaren Kirche nicht in der Bibel vorkommt (nicht einmal der Ausdruck "unsichtbare Kirche"). Nicht einmal ein Gedanke oder eine Aussage von Jesus und den Aposteln spielen darauf an. Man kann das nur durch eine bewusste Uminterpretation von Bibelstellen und eine völlige Missachtung der biblischen Wahrheit behaupten.

Auch wenn es Unterschiede unter den Gliedern der christlichen Kirche in Bezug auf Reife im Glauben oder Gehorsam gibt, so sind doch in einem Punkt alle Glieder gleich: jedes hat eine Beziehung mit dem Haupt, Christus (1. Korinther 12,12-27; Epheser 4,15-16). Diese Kirche wird von der Welt gesehen, das ist die sichtbare Kirche, wie auch Jesus nur das Konzept der sichtbaren Kirche kannte:

"Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr einander liebt, damit, wie ich euch geliebt habe, auch ihr einander liebt. Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt." (Johannes 13,34-35)

"- ich in ihnen und du in mir -, dass sie in eins vollendet seien, damit die Welt erkenne, dass du mich gesandt und sie geliebt hast, wie du mich geliebt hast." (Johannes 17,23)

Wie soll die Welt beurteilen, wenn nicht aufgrund dessen, was sie sieht: auf Basis der sichtbaren Kirche? Die Gemeinschaft der Christen muss sich immer ihrer Verantwortung bewusst sein. Eine Gemeinde, die als ein "gemischter Leib" lebt, ist nicht der Leib Christi und erfüllt nicht die Pflicht, die Jesus seiner Kirche anvertraut hat. Christen leben in einer tiefen Gemeinschaft, die auf der Lehre Jesu aufbaut. Nur auf diese Weise kann ihr Zeugnis über die Liebe Christi glaubwürdig vor der Welt sein.



FUSSNOTEN

(5) vgl. unser Thema "Über den Abfall" [zurück]




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