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aktualisiert: 1. März 2006
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Die sichtbare Kirche
Engagierte Mitglieder der heutigen sogenannten christlichen Denominationen (Glaubensgemeinschaften) sind sich bewusst, dass neben ihnen ("den Gläubigen", "Bekehrten", "denen, die sich hingeben") auch "Pseudo-Christen" oder "Sonntagschristen" in der Kirche sind, die sich noch nicht für Jesus entschieden haben oder es nie tun werden. Auch die letzteren nehmen an den Gemeindetreffen teil, beten, singen und feiern das Abendmahl zusammen mit den anderen, obwohl sie keine Beziehung zu Jesus haben. Wie ist das möglich? Ist das so richtig oder haben wir es mit einer Situation zu tun, die der Lehre der Bibel widerspricht? Die heutige Situation wird oft mit der Lehre der sogenannten "unsichtbaren Kirche" erklärt. Diese lässt sich so zusammenfassen: Die Lehre der "unsichtbaren Kirche":
Man versucht, diese Lehre auf spezielle Bibelstellen zurückzuführen, welche wir später näher ausführen werden. Doch zuerst möchten wir gerne anhand anderer Stellen aufzeigen, wie weit die oben erwähnte Lehre und Praxis vom Auftrag und den Werten der Bibel entfernt ist. Nur ein Gläubiger kann Glied der christlichen Gemeinde sein und nicht jemand, der sich nicht für Jesus entschieden hat und der sich mit diesem (geistlichen) Zustand zufrieden gibt. Die Situation der Urgemeinde Über die erste Gemeinde in Jerusalem, die nach der Pfingstpredigt des Petrus entstanden ist, können wir folgendes lesen:
Die Tatsache, dass von den übrigen keiner sich anzuschließen wagte, meint weder, dass die Christen eine isolierte Gemeinschaft formten, noch dass sie jene von sich fern hielten, die bereit waren, sich ihnen anzuschließen. Wir können sehen, wie eifrig sie missionierten und wie Gott die Gemeinde mit denen vergrößerte, die gerettet wurden (Apostelgeschichte 2,47). Unter den übrigen müssen wir die verstehen, die Jesus nicht mit ihrem ganzen Leben dienen wollten. Die Evangelisation und das Leben der Christen führte die Menschen dazu, sich zu entscheiden. Dabei gab es sicher auch vorübergehende Gäste in der Gemeinde, aber nicht eine Vielzahl von Menschen, die unentschlossen geblieben wären, um sich vielleicht nach Jahren oder Jahrzehnten zu bekehren oder bis zum Lebensende religiöse Formen zu praktizierten. Wenn ein Ungläubiger zur Gemeinde kam, beurteilte diese das "Verborgene seines Herzens".
Die ganze Gemeinde ließ sich von Gott führen, bemühte sich mit Liebe und Hingabe, so dass der Gast verstand, wovon er umkehren sollte. Dieser Prozess kann in einem Fall kürzer und in einem anderen Fall länger gewesen sein, doch wurde jeder zu einer Entscheidung geführt. Paulus beschreibt in diesem Zusammenhang die positive Entscheidung, nämlich die Umkehr eines Menschen. Dieser ist bereit, die Beurteilung Gottes durch die Christen anzunehmen, sein altes, sündhaftes Leben zu bereuen, sich davon abzukehren und von nun an mit seinen Worten und seinem Leben Gott zu verherrlichen. Der negative Fall ist nicht direkt beschrieben, aber da jeder Dazukommende überführt und beurteilt wurde, können wir schlussfolgern, dass die Christen auch die Unwilligkeit zur Umkehr beurteilten und es dann offensichtlich keine Grundlage gab, diese Menschen später an der Gemeinschaft teilhaben zu lassen. Nun finden wir trotzdem in der Apostelgeschichte die Situation mit Simon, dem Magier (Apostelgeschichte 8,4-13). Es scheint, dass Philippus bei seiner Evangelisation der Volksmenge in Samaria nicht bemerkte, dass inmitten der vielen Bekehrten Simon sein Denken nicht geändert hatte(1). So war dieser erfolgreich darin, dass er auch die anderen Christen für einige Zeit täuschte. Das kam aber bald ans Licht und Petrus reagierte auf eine sehr resolute Weise:
Wir sehen ein ähnliches strenges Verhalten auch in solchen Fällen, als einige Männer sich in die Gemeinde einschlichen, die anders lebten oder dachten als Jesus und die Apostel gelehrt hatten.
Judas' Ziel war auszudrücken, dass diese Männer keinen Platz in der Gemeinde haben. Auch wenn es geschah, dass jemand zur Gemeinde kam, der sich nicht Gottes Willen unterordnete, so können wir von dem vorher Geschriebenen sehen, dass seine Gegenwart nur für kurze Zeit möglich war und dass das überhaupt nicht als normal gesehen wurde. Eine ähnliche Situation finden wir im 1. Johannesbrief 2,18-20:
Hier schreibt Johannes über Menschen, welche eine Zeit lang in der Gemeinde gewesen sind, aber nie Christen sondern Verführer waren (siehe V.26). Es scheint, dass die Christen dort diese Irrlehrer nicht tief genug beurteilten. So sieht es Johannes als nötig an, den Christen in seinem Brief mehr zu erklären, damit sie eine bessere Grundlage zur Beurteilung haben. Er schreibt zunächst über das Wandeln im Licht (Kapitel 1,6+8+10) und das Halten der Gebote Jesu (Kapitel 2, 3-6). Dabei bezieht er sich vor allem immer wieder auf die Liebe der Christen untereinander (Bruderliebe: Kapitel 2,9-11; 3,14-18+23; 4,7-8+20-22), verbunden mit der Abkehr von Sünden (Kapitel 3,4-10). Als untrennbar damit verbundenes "Erkennungsmerkmal" der Christen nennt Johannes den richtigen Glauben, die richtige Lehre von Jesus (Kapitel 2,22-23; 4,2-3) und er fordert die Christen ausdrücklich auf, die Lehre von Menschen, mit denen sie in Verbindung kommen, zu prüfen:
Dass sich Johannes
hier auf eine konkrete Irrlehre in der Situation dieser Christen
beschränkt, bedeutet sicher nicht, dass er über andere
Irrlehren anders gedacht und geschrieben hätte. Auch aus weiteren Stellen ist sichtbar, dass Jesus und die neutestamentlichen Schreiber ermahnten, allen Irrlehrern klar zu widerstehen und sich von ihnen zu distanzieren (Matthäus 24,23-26; Apostelgeschichte 20,31; 2. Timotheus 3,1-9, Offenbarung 2,13-16). Reinheit und Heiligkeit der Gemeinde Wenn ein Mitglied der Gemeinde auf eine Weise gesündigt hatte, dass er der Jüngerschaft unwürdig wurde, und wenn er sich trotz wiederholter Hilfe und Ermahnungen nicht von seinen Sünden abwenden wollte, dann beendete die Gemeinde die Gemeinschaft mit ihm: sie schloss ihn aus. Ausschluss basiert auf dem Gebot Jesu:
Bezüglich "so sei er dir wie der Heide oder der Zöllner" soll bemerkt werden, dass die Juden keine Gemeinschaft mit Heiden hatten, weil sie sie für unrein hielten (Apostelgeschichte 10,28). In ähnlicher Weise dachten sie auch über die gierigen Zöllner, die Kompromisse mit den Römern eingingen (siehe Matthäus 9,10-11). Diese kategorische Ablehnung war nicht richtig, doch es war die jüdische Praxis. Jesus baute auf dieser Tatsache auf und zeigte, was der wirkliche Sinn von Abgrenzung ist: der Grund dafür soll nicht der soziale oder nationale Status des anderen sein, sondern die Tatsache, dass er Hilfe nicht akzeptiert und an Sünden festhalten will.
Einige Verse später fährt Paulus wie folgt fort:
Jemand könnte fragen: "Wie ist das dann mit der Geduld und Hoffnung, von der Paulus im selben Brief schreibt? (1.Korinther 13) Hatte Paulus keine Hoffnung,dass der Sünder wieder sein Herz für Gott öffnet?" Ja, er hatte Hoffnung! Das ist klar ersichtlich aus Vers 5: "...zum Verderben des Fleisches, damit der Geist errettet werde am Tage des HERRN". Der Ausschluss konnte dem Sünder noch eine Hilfe sein, sich seine Stellung vor Gott einzugestehen und doch noch umzukehren. Aber obwohl Paulus dies für möglich hielt bzw. gerade deshalb (!) knüpfte er die Zugehörigkeit zur Gemeinde an klare Bedingungen. Gottes Gemeinde kann nicht Gemeinschaft haben mit jemandem, der an Sünde festhält. Derjenige lehnt Gott ab und hat keine Gemeinschaft mit IHM. Deshalb wäre es ein Betrug für einen solchen Menschen, bliebe er in der Gemeinde. Außerdem beeinflusst er andere wie "Sauerteig". Es besteht die große Gefahr, dass auch andere in der Gemeinde solche Sünden nicht mehr klar beurteilen und dann selbst darin sündigen. Aber wenn der Ausgeschlossene später bereut, kann er mit einer neuen Entscheidung, dass er ein heiliges, reines Leben führen will, zur Gemeinde zurückkehren. Die ersten christlichen Gemeinden bewahrten auf diese Weise ihre Reinheit als Gemeinden Gottes. So war es möglich, dass kein Ungläubiger über längere Zeit in der Gemeinde blieb. Wenn es nicht so gewesen wäre, wie hätte Paulus seine Adressaten Heilige nennen können? (Z.B. 1. Korinther 1,1-3; 2. Korinther 1,1-2)(3) Im Neuen Testament hat der Begriff "Heiliger" die gleiche Bedeutung wie "Christ" (Apostelgeschichte 9,13; Epheser 5,3; Philipper 4,21-22; Hebräer 3,1). Alle Christen sind Heilige und nur jene können zur Kirche gehören, die sich heiligen lassen und Gott in ihrem Leben regieren lassen (Hebräer 12,14, Epheser 5,5, Galater 5,19-21). Es sind hier nicht sündlose Menschen gemeint (das wird besonders in den Briefen an die Korinther deutlich), sondern solche Menschen "die geheiligt sind in Christus" (1.Korinther 1,2), die Jesu Vergebung und Erlösung angenommen haben. Auch wenn sie sündigen, so werden sie auf Ermahnung hören und sich ändern wollen. Die ganze Kirche und jedes Glied der Kirche kämpft gegen Sünde. Ein Christ kann kein Doppelleben führen. Er kann nicht Gott dienen, während sein Herz in der Welt ist. Auf die gleiche Weise kann auch die Kirche keinen Platz für Sünder haben, die sich nicht ändern wollen (Matthäus 6,24, 10,38-39, Johannes 12,25-26 , Jakobus 4,4, 1.Johannes 2,4-6 und 15-17) Wenn sich Christen nicht von weltlicher Lebensweise distanzieren, sondern Gemeinschaft mit solchen Menschen haben, dann repräsentieren sie Außenstehenden ein falsches Bild von Christ sein. Im weiteren verführen sie die Religiösen, die sich als Christen sehen, so dass diese nur schwer die Notwendigkeit zur Umkehr sehen. Schließlich werden sie selbst von Gott weggehen.
Gott kann jene als seine Kinder annehmen, die sich von Ungläubigen abgrenzen(4). Auch die Bedeutung des griechischen Wortes εκκλήσια [ecclesia] bedeutet Gemeinschaft, die sich herausrufen lässt. Das spielt auf den Brauch an, bei dem die Boten der antiken griechischen Städte gewöhnt waren, die Bürger für die öffentliche Versammlung aus ihren Häusern herauszurufen. Auf diese Weise rufen auch die Boten des Evangeliums die Gemeinde aus der Welt heraus. Wir können von dem bereits Erwähnten sehen, dass die Praxis der ersten christlichen Gemeinden völlig anders war als die der heutigen Denominationen. Heute kann jeder ein Mitglied einer "Kirche" werden (nach einigen Formalitäten) und üblicherweise wird Ausschluss auch nicht praktiziert. Dafür wäre eine intensive Gemeinschaft, Liebe und Hingabe notwendig: Die Menschen müssten sich für das Denken und Handeln des anderen aufrichtig interessieren und den anderen mit den Augen Gottes sehen. Gottes Wort und Wahrheit müsste dem Einzelnen zum Maßstab seiner Beurteilung, Hilfestellung und Ermahnung werden und jeder müsste bereit sein, auch die biblischen Konsequenzen zu ziehen, wo sich Menschen nicht wirklich verändern wollen. Nun zu Bibelstellen, welche als Argumente für eine "unsichtbare Kirche" angeführt werden: Die falsche Praxis begann nicht erst in unseren Tagen und auch die theoretische Unterstützung dafür (=die Lehre der unsichtbaren Kirche) existierte schon sehr früh. Der Prozess fand parallel mit der Verweltlichung der Kirche statt. So wie die Gemeinde sich immer mehr von Gott und einem heiligen Leben entfernte, so nahm auch die Sensibilität gegen Sünde ab. Bereits im vierten Jahrhundert missbrauchte Augustinus zwei Gleichnisse Jesu aus Matthäus 13 im Streit mit den Donatisten, um die Wiederaufnahme von abgefallenen Bischöfen in die Kirche aufrechtzuerhalten: der Wunsch schuf falsche Lehren. Die Gleichnisse vom Unkraut im Weizen und vom Fischernetz Augustinus behauptete aufgrund des Gleichnisses vom Unkraut und Weizen (Matthäus 13,24-30, 36-43) und des Gleichnisses vom Netz (Matthäus 13,47-50), "dass die Gemeinde ein gemischter Leib" sei (corpus permixtum), in welchem die Bösen zusammen mit den Gerechten existieren.
Augustinus identifizierte nun den Acker und das Netz mit der Gemeinde und ignorierte, dass Jesus selbst das erste Gleichnis auf andere Weise interpretierte:
Gemäß Vers 38 ist der Acker identisch mit der Welt. Derjenige, der aufgrund des Gleichnisses vom Weizen und Unkraut den Acker auf die Gemeinde bezieht, bestätigt damit, dass seine "Gemeinde" eins mit der Welt ist. Im Gegensatz dazu schreibt Paulus an die Gemeinde von Philippi folgendes:
Die Gemeinde leuchtet in der Welt und kann deshalb nicht mit ihr identisch sein. Wenn in Matthäus 13,41 der Sohn des Menschen die Bösen aus seinem Reich sammelt, dann bezieht Jesus hier - wenn man die oben genannten Tatsachen berücksichtigt - das Reich des Sohnes des Menschen auf die geschaffene Welt. Jesus ist der Herr des ganzen Universums und nicht nur der Gemeinde, vergleiche Johannes 1,11, wo auch die gesamte Welt als das Eigentum des fleischgewordenen Wortes (Jesus) bezeichnet wird. In ähnlicher Weise bezieht sich auch das Gleichnis vom Netz nicht auf die Gemeinde. Von der Tatsache, dass er (Jesus) das Königreich der Himmel mit dem Netz vergleicht, folgt nicht notwendigerweise, dass das Netz die Gemeinde bedeutet. In anderen Gleichnissen vergleicht er das Himmelreich mit einem König, einem Händler usw. Natürlich denkt niemand, dass der König oder der Händler die Gemeinde symbolisieren sollen. Jesus verwendete den Ausdruck "Reich der Himmel", wenn er etwas bezüglich des Königreiches Gottes erklären wollte. "Reich Gottes"(in Matthäus: "Reich der Himmel") bedeutete für die Juden das Reich des Messias. Jesus wollte hauptsächlich die irdischen Vorstellungen darüber mit seinen Gleichnissen korrigieren. Die Juden erwarteten vom Messias, dass er als glorreicher König handeln werde und als gerechter Richter: dass er sein Volk von der ausländischen Unterdrückung befreie und das Böse auf der Erde auslösche. Jesus wollte dieses Denken korrigieren: er war nicht gekommen, um als irdischer König zu regieren oder um Gericht zu halten. Das Gericht wird am letzten Tag sein und bis dahin müssen Gute und Böse zusammen in der Welt existieren. Sein Reich ist ein geistliches, das die Welt auf geistliche Weise überwunden hat:
FORTSETZUNG - ANDERE FALSCH VERSTANDENE STELLEN FUSSNOTEN (1) Zum besseren Verständnis dieser Stelle: Vers 12 kann aus dem Griechischen auch übersetzt werden: "Auch Simon wurde überzeugt." [zurück] (2) Es geht nicht darum, dass der Satan eine spezielle Macht hätte, den Sünder zu foltern, sondern dass derjenige, der nicht in der Gemeinschaft ist, in der Welt ist, wo - gemäß den Worten Jesu - der Satan der Fürst ist (Johannes 14,30). Die Konfrontation mit der Welt kann im besten Fall zum Verderben des Fleisches und zum Aufgeben der sündhaften Einstellung führen. [zurück] (3) Eine ähnliche Weise des Adressierens können wir auch in anderen Briefen sehen: Römer 1,1-7, Philipper 1,1, Kolosser 1,1-4, 2. Petrus 1,1-4 [zurück] (4) Siehe auch die Pfingstpredigt des Petrus: Apostelgeschichte 2,40: "Lasst euch erretten aus diesem verkehrten Geschlecht." [zurück] |
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