Was-CHRISTEN.-glauben.info..aktualisiert: 1. März 2006
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Die sichtbare Kirche

In der folgenden Abhandlung schreiben wir über die Lehre der "unsichtbaren Kirche", welche auf bestimmte Bibelstellen zurückzuführen versucht wird. Wir werden diese Bibelstellen im Detail behandeln.
Diese Lehre stimmt mit der Lehre des Neuen Testamentes nicht überein. Der Ausdruck "unsichtbare Kirche" kommt in der Bibel nicht nur nicht vor, sondern nicht einmal ein Gedanke oder Aussage Jesu oder der Apostel spielt darauf an.
Die Kirche wird von der Welt gesehen, das ist die sichtbare Kirche; so wie Jesus auch nur den Begriff der sichtbaren Kirche kannte.

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Engagierte Mitglieder der heutigen sogenannten christlichen Denominationen (Glaubensgemeinschaften) sind sich bewusst, dass neben ihnen ("den Gläubigen", "Bekehrten", "denen, die sich hingeben") auch "Pseudo-Christen" oder "Sonntagschristen" in der Kirche sind, die sich noch nicht für Jesus entschieden haben oder es nie tun werden. Auch die letzteren nehmen an den Gemeindetreffen teil, beten, singen und feiern das Abendmahl zusammen mit den anderen, obwohl sie keine Beziehung zu Jesus haben.

Wie ist das möglich? Ist das so richtig oder haben wir es mit einer Situation zu tun, die der Lehre der Bibel widerspricht?

Die heutige Situation wird oft mit der Lehre der sogenannten "unsichtbaren Kirche" erklärt. Diese lässt sich so zusammenfassen:

Die Lehre der "unsichtbaren Kirche":

  • Es gibt einen Unterschied zwischen "sichtbarer" und "unsichtbarer" Kirche.

  • Die sichtbare Kirche wird von den Außenstehenden gesehen; zu ihr gehören sowohl die gläubigen als auch die ungläubigen "Christen"(!) Es gibt viele solcher "Kirchen" (Katholiken, Reformierte, Lutheraner und viele verschiedene kleine und große "Kirchen").

  • Verborgen in diesen gibt es eine unsichtbare Kirche. Zu ihr gehören jene "bekehrten" Christen, die zusammen mit den Ungläubigen in den sichtbaren Kirchen sind. Jesus wird sie zu sich nehmen, wenn er wiederkommt. Zu diesem Zeitpunkt wird die unsichtbare Kirche sichtbar werden.

  • Die "Gläubigen" denken über die "Ungläubigen", mit denen sie zusammen sind, dass nur Gott ihr Herz sieht und dass sie sich vielleicht einmal bekehren, aber es ist auch möglich, dass sie als Ungläubige sterben. Sie sehen es als ihre Aufgabe, ein Licht für die Ungläubigen in der "Kirche" zu sein und auf diese Weise eine "innere Evangelisation" zu erfüllen.

Man versucht, diese Lehre auf spezielle Bibelstellen zurückzuführen, welche wir später näher ausführen werden. Doch zuerst möchten wir gerne anhand anderer Stellen aufzeigen, wie weit die oben erwähnte Lehre und Praxis vom Auftrag und den Werten der Bibel entfernt ist. Nur ein Gläubiger kann Glied der christlichen Gemeinde sein und nicht jemand, der sich nicht für Jesus entschieden hat und der sich mit diesem (geistlichen) Zustand zufrieden gibt.

Die Situation der Urgemeinde

Über die erste Gemeinde in Jerusalem, die nach der Pfingstpredigt des Petrus entstanden ist, können wir folgendes lesen:

"Die Menge derer aber, die gläubig geworden waren, war ein Herz und eine Seele..." (Apostelgeschichte 4,32)

"Aber durch die Hände der Apostel geschahen viele Zeichen und Wunder unter dem Volk; und sie waren alle einmütig in der Säulenhalle Salomos. Von den übrigen aber wagte keiner, sich ihnen anzuschließen, doch das Volk rühmte sie. Aber um so mehr wurden [solche], die an den Herrn glaubten, hinzugetan, Scharen von Männern und auch Frauen." (Apostelgeschichte 5,12-14)

Die Tatsache, dass von den übrigen keiner sich anzuschließen wagte, meint weder, dass die Christen eine isolierte Gemeinschaft formten, noch dass sie jene von sich fern hielten, die bereit waren, sich ihnen anzuschließen. Wir können sehen, wie eifrig sie missionierten und wie Gott die Gemeinde mit denen vergrößerte, die gerettet wurden (Apostelgeschichte 2,47). Unter den übrigen müssen wir die verstehen, die Jesus nicht mit ihrem ganzen Leben dienen wollten. Die Evangelisation und das Leben der Christen führte die Menschen dazu, sich zu entscheiden. Dabei gab es sicher auch vorübergehende Gäste in der Gemeinde, aber nicht eine Vielzahl von Menschen, die unentschlossen geblieben wären, um sich vielleicht nach Jahren oder Jahrzehnten zu bekehren oder bis zum Lebensende religiöse Formen zu praktizierten.

Wenn ein Ungläubiger zur Gemeinde kam, beurteilte diese das "Verborgene seines Herzens".

"Wenn nun die ganze Gemeinde zusammenkommt und alle in Sprachen reden, und es kommen Unkundige oder Ungläubige herein, werden sie nicht sagen, dass ihr von Sinnen seid? Wenn aber alle weissagen und irgendein Ungläubiger oder Unkundiger kommt herein, so wird er von allen überführt, von allen beurteilt; das Verborgene seines Herzens wird offenbar, und so wird er auf sein Angesicht fallen und wird Gott anbeten und verkündigen, dass Gott wirklich unter euch ist." (1. Korinther 14,23-25)

Die ganze Gemeinde ließ sich von Gott führen, bemühte sich mit Liebe und Hingabe, so dass der Gast verstand, wovon er umkehren sollte. Dieser Prozess kann in einem Fall kürzer und in einem anderen Fall länger gewesen sein, doch wurde jeder zu einer Entscheidung geführt. Paulus beschreibt in diesem Zusammenhang die positive Entscheidung, nämlich die Umkehr eines Menschen. Dieser ist bereit, die Beurteilung Gottes durch die Christen anzunehmen, sein altes, sündhaftes Leben zu bereuen, sich davon abzukehren und von nun an mit seinen Worten und seinem Leben Gott zu verherrlichen. Der negative Fall ist nicht direkt beschrieben, aber da jeder Dazukommende überführt und beurteilt wurde, können wir schlussfolgern, dass die Christen auch die Unwilligkeit zur Umkehr beurteilten und es dann offensichtlich keine Grundlage gab, diese Menschen später an der Gemeinschaft teilhaben zu lassen.

Nun finden wir trotzdem in der Apostelgeschichte die Situation mit Simon, dem Magier (Apostelgeschichte 8,4-13). Es scheint, dass Philippus bei seiner Evangelisation der Volksmenge in Samaria nicht bemerkte, dass inmitten der vielen Bekehrten Simon sein Denken nicht geändert hatte(1). So war dieser erfolgreich darin, dass er auch die anderen Christen für einige Zeit täuschte. Das kam aber bald ans Licht und Petrus reagierte auf eine sehr resolute Weise:

"Als aber Simon sah, dass durch das Auflegen der Hände der Apostel der Geist gegeben wurde, brachte er ihnen Geld und sagte: Gebt auch mir diese Macht, dass der, dem ich die Hände auflege, den Heiligen Geist empfange. Petrus aber sprach zu ihm: Dein Geld fahre mit dir ins Verderben, weil du gemeint hast, dass die Gabe Gottes durch Geld zu erlangen sei! Du hast weder Teil noch Recht an dieser Sache, denn dein Herz ist nicht aufrichtig vor Gott. Tue nun Buße über diese deine Bosheit und bitte den Herrn, ob dir etwa der Anschlag deines Herzens vergeben werde; denn ich sehe, dass du voll bitterer Galle und in Banden der Ungerechtigkeit bist. Simon aber antwortete und sprach: Bittet ihr für mich den Herrn, damit nichts über mich komme von dem, was ihr gesagt habt." (Apostelgeschichte 8,18-24)

Wir sehen ein ähnliches strenges Verhalten auch in solchen Fällen, als einige Männer sich in die Gemeinde einschlichen, die anders lebten oder dachten als Jesus und die Apostel gelehrt hatten.

"Denn gewisse Menschen haben sich heimlich eingeschlichen, die längst zu diesem Gericht vorher aufgezeichnet sind, Gottlose, welche die Gnade unseres Gottes in Ausschweifung verkehren und den alleinigen Gebieter und unseren Herrn Jesus Christus verleugnen." (Judas 4)

Judas' Ziel war auszudrücken, dass diese Männer keinen Platz in der Gemeinde haben. Auch wenn es geschah, dass jemand zur Gemeinde kam, der sich nicht Gottes Willen unterordnete, so können wir von dem vorher Geschriebenen sehen, dass seine Gegenwart nur für kurze Zeit möglich war und dass das überhaupt nicht als normal gesehen wurde.

Eine ähnliche Situation finden wir im 1. Johannesbrief 2,18-20:

"Kinder, es ist die letzte Stunde, und wie ihr gehört habt, dass der Antichrist kommt, so sind auch jetzt viele Antichristen aufgetreten; daher wissen wir, dass es die letzte Stunde ist. Sie sind von uns ausgegangen, aber sie waren nicht von uns; denn wenn sie von uns gewesen wären, würden sie wohl bei uns geblieben sein; aber sie blieben nicht, damit sie offenbar würden, dass sie alle nicht von uns sind. Und ihr habt die Salbung von dem Heiligen und wisst alles."

Hier schreibt Johannes über Menschen, welche eine Zeit lang in der Gemeinde gewesen sind, aber nie Christen sondern Verführer waren (siehe V.26). Es scheint, dass die Christen dort diese Irrlehrer nicht tief genug beurteilten. So sieht es Johannes als nötig an, den Christen in seinem Brief mehr zu erklären, damit sie eine bessere Grundlage zur Beurteilung haben. Er schreibt zunächst über das Wandeln im Licht (Kapitel 1,6+8+10) und das Halten der Gebote Jesu (Kapitel 2, 3-6). Dabei bezieht er sich vor allem immer wieder auf die Liebe der Christen untereinander (Bruderliebe: Kapitel 2,9-11; 3,14-18+23; 4,7-8+20-22), verbunden mit der Abkehr von Sünden (Kapitel 3,4-10). Als untrennbar damit verbundenes "Erkennungsmerkmal" der Christen nennt Johannes den richtigen Glauben, die richtige Lehre von Jesus (Kapitel 2,22-23; 4,2-3) und er fordert die Christen ausdrücklich auf, die Lehre von Menschen, mit denen sie in Verbindung kommen, zu prüfen:

"Geliebte, glaubt nicht jedem Geist, sondern prüft die Geister, ob sie aus Gott sind; denn viele falsche Propheten sind in die Welt ausgegangen." (Kapitel 4,1)

Dass sich Johannes hier auf eine konkrete Irrlehre in der Situation dieser Christen beschränkt, bedeutet sicher nicht, dass er über andere Irrlehren anders gedacht und geschrieben hätte.
In seinem Brief unterscheidet er deutlich zwischen den Adressaten und den Nichtchristen, welche demzufolge auch nicht (mehr) in der Gemeinde waren.

Auch aus weiteren Stellen ist sichtbar, dass Jesus und die neutestamentlichen Schreiber ermahnten, allen Irrlehrern klar zu widerstehen und sich von ihnen zu distanzieren (Matthäus 24,23-26; Apostelgeschichte 20,31; 2. Timotheus 3,1-9, Offenbarung 2,13-16).

Reinheit und Heiligkeit der Gemeinde

Wenn ein Mitglied der Gemeinde auf eine Weise gesündigt hatte, dass er der Jüngerschaft unwürdig wurde, und wenn er sich trotz wiederholter Hilfe und Ermahnungen nicht von seinen Sünden abwenden wollte, dann beendete die Gemeinde die Gemeinschaft mit ihm: sie schloss ihn aus. Ausschluss basiert auf dem Gebot Jesu:

"Wenn aber dein Bruder sündigt, so geh hin, überführe ihn zwischen dir und ihm allein. Wenn er auf dich hört, so hast du deinen Bruder gewonnen. Wenn er aber nicht hört, so nimm noch einen oder zwei mit dir, damit aus zweier oder dreier Zeugen Mund jede Sache bestätigt werde. Wenn er aber nicht auf sie hören wird, so sage es der Gemeinde; wenn er aber auch auf die Gemeinde nicht hören wird, so sei er dir wie der Heide und der Zöllner. Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr etwas auf der Erde binden werdet, wird es im Himmel gebunden sein, und wenn ihr etwas auf der Erde lösen werdet, wird es im Himmel gelöst sein." (Matthäus 18,15-18)

Bezüglich "so sei er dir wie der Heide oder der Zöllner" soll bemerkt werden, dass die Juden keine Gemeinschaft mit Heiden hatten, weil sie sie für unrein hielten (Apostelgeschichte 10,28). In ähnlicher Weise dachten sie auch über die gierigen Zöllner, die Kompromisse mit den Römern eingingen (siehe Matthäus 9,10-11). Diese kategorische Ablehnung war nicht richtig, doch es war die jüdische Praxis. Jesus baute auf dieser Tatsache auf und zeigte, was der wirkliche Sinn von Abgrenzung ist: der Grund dafür soll nicht der soziale oder nationale Status des anderen sein, sondern die Tatsache, dass er Hilfe nicht akzeptiert und an Sünden festhalten will.

"Überhaupthört man, dass Unzucht unter euch sei, und [zwar] eine solche Unzucht, die selbst unter den Nationen nicht [stattfindet]: dass einer seines Vaters Frau habe. Und ihr seid aufgeblasen und habt nicht vielmehr Leid getragen, damit der, welcher diese Tat begangen hat, aus eurer Mitte hinweg getan würde! Denn ich, zwar dem Leibe nach abwesend, aber im Geiste anwesend, habe schon als anwesend das Urteil gefällt über den, der dieses so verübt hat, wenn ihr und mein Geist mit der Kraft unseres Herrn Jesus versammelt seid - einen solchen im Namen unseres Herrn Jesus dem Satan(2) zu überliefern zum Verderben des Fleisches, damit der Geist errettet werde am Tage des Herrn. Euer Rühmen ist nicht gut. Wisst ihr nicht, dass ein wenig Sauerteig den ganzen Teig durchsäuert? Fegt den alten Sauerteig aus, damit ihr ein neuer Teig seid, wie ihr ja bereits ungesäuert seid. Denn auch unser Passah, Christus, ist geschlachtet." (1. Korinther 5,1-7)

Einige Verse später fährt Paulus wie folgt fort:

"Nun aber habe ich euch geschrieben, keinen Umgang zu haben, wenn jemand, der Bruder genannt wird, ein Unzüchtiger ist oder ein Habsüchtiger oder ein Götzendiener oder ein Lästerer oder ein Trunkenbold oder ein Räuber, mit einem solchen nicht einmal zu essen. Denn was habe ich zu richten, die draußen sind? Richtet ihr nicht, die drinnen sind? Die aber draußen sind, richtet Gott. Tut den Bösen von euch selbst hinaus!" (1. Korinther 5,11-13)

Jemand könnte fragen: "Wie ist das dann mit der Geduld und Hoffnung, von der Paulus im selben Brief schreibt? (1.Korinther 13) Hatte Paulus keine Hoffnung,dass der Sünder wieder sein Herz für Gott öffnet?" Ja, er hatte Hoffnung! Das ist klar ersichtlich aus Vers 5: "...zum Verderben des Fleisches, damit der Geist errettet werde am Tage des HERRN". Der Ausschluss konnte dem Sünder noch eine Hilfe sein, sich seine Stellung vor Gott einzugestehen und doch noch umzukehren. Aber obwohl Paulus dies für möglich hielt bzw. gerade deshalb (!) knüpfte er die Zugehörigkeit zur Gemeinde an klare Bedingungen. Gottes Gemeinde kann nicht Gemeinschaft haben mit jemandem, der an Sünde festhält. Derjenige lehnt Gott ab und hat keine Gemeinschaft mit IHM. Deshalb wäre es ein Betrug für einen solchen Menschen, bliebe er in der Gemeinde. Außerdem beeinflusst er andere wie "Sauerteig". Es besteht die große Gefahr, dass auch andere in der Gemeinde solche Sünden nicht mehr klar beurteilen und dann selbst darin sündigen. Aber wenn der Ausgeschlossene später bereut, kann er mit einer neuen Entscheidung, dass er ein heiliges, reines Leben führen will, zur Gemeinde zurückkehren.

Die ersten christlichen Gemeinden bewahrten auf diese Weise ihre Reinheit als Gemeinden Gottes. So war es möglich, dass kein Ungläubiger über längere Zeit in der Gemeinde blieb. Wenn es nicht so gewesen wäre, wie hätte Paulus seine Adressaten Heilige nennen können? (Z.B. 1. Korinther 1,1-3; 2. Korinther 1,1-2)(3)

Im Neuen Testament hat der Begriff "Heiliger" die gleiche Bedeutung wie "Christ" (Apostelgeschichte 9,13; Epheser 5,3; Philipper 4,21-22; Hebräer 3,1). Alle Christen sind Heilige und nur jene können zur Kirche gehören, die sich heiligen lassen und Gott in ihrem Leben regieren lassen (Hebräer 12,14, Epheser 5,5, Galater 5,19-21). Es sind hier nicht sündlose Menschen gemeint (das wird besonders in den Briefen an die Korinther deutlich), sondern solche Menschen "die geheiligt sind in Christus" (1.Korinther 1,2), die Jesu Vergebung und Erlösung angenommen haben. Auch wenn sie sündigen, so werden sie auf Ermahnung hören und sich ändern wollen. Die ganze Kirche und jedes Glied der Kirche kämpft gegen Sünde. Ein Christ kann kein Doppelleben führen. Er kann nicht Gott dienen, während sein Herz in der Welt ist. Auf die gleiche Weise kann auch die Kirche keinen Platz für Sünder haben, die sich nicht ändern wollen (Matthäus 6,24, 10,38-39, Johannes 12,25-26 , Jakobus 4,4, 1.Johannes 2,4-6 und 15-17)

Wenn sich Christen nicht von weltlicher Lebensweise distanzieren, sondern Gemeinschaft mit solchen Menschen haben, dann repräsentieren sie Außenstehenden ein falsches Bild von Christ sein. Im weiteren verführen sie die Religiösen, die sich als Christen sehen, so dass diese nur schwer die Notwendigkeit zur Umkehr sehen. Schließlich werden sie selbst von Gott weggehen.

"Geht nicht unter fremdartigem Joch mit Ungläubigen! Denn welche Verbindung haben Gerechtigkeit und Gesetzlosigkeit? Oder welche Gemeinschaft Licht mit Finsternis? Und welche Übereinstimmung Christus mit Belial? Oder welches Teil ein Gläubiger mit einem Ungläubigen? Und welchen Zusammenhang der Tempel Gottes mit Götzenbildern? Denn wir sind der Tempel des lebendigen Gottes; wie Gott gesagt hat: "Ich will unter ihnen wohnen und wandeln, und ich werde ihr Gott sein, und sie werden mein Volk sein. Darum geht aus ihrer Mitte hinaus und sondert euch ab, spricht der Herr, und rührt Unreines nicht an, und ich werde euch annehmen und werde euch ein Vater sein, und ihr werdet mir Söhne und Töchter sein, spricht der Herr, der Allmächtige." (2. Korinther 6,14-18)

Gott kann jene als seine Kinder annehmen, die sich von Ungläubigen abgrenzen(4). Auch die Bedeutung des griechischen Wortes εκκλήσια [ecclesia] bedeutet Gemeinschaft, die sich herausrufen lässt. Das spielt auf den Brauch an, bei dem die Boten der antiken griechischen Städte gewöhnt waren, die Bürger für die öffentliche Versammlung aus ihren Häusern herauszurufen. Auf diese Weise rufen auch die Boten des Evangeliums die Gemeinde aus der Welt heraus.

Wir können von dem bereits Erwähnten sehen, dass die Praxis der ersten christlichen Gemeinden völlig anders war als die der heutigen Denominationen. Heute kann jeder ein Mitglied einer "Kirche" werden (nach einigen Formalitäten) und üblicherweise wird Ausschluss auch nicht praktiziert. Dafür wäre eine intensive Gemeinschaft, Liebe und Hingabe notwendig: Die Menschen müssten sich für das Denken und Handeln des anderen aufrichtig interessieren und den anderen mit den Augen Gottes sehen. Gottes Wort und Wahrheit müsste dem Einzelnen zum Maßstab seiner Beurteilung, Hilfestellung und Ermahnung werden und jeder müsste bereit sein, auch die biblischen Konsequenzen zu ziehen, wo sich Menschen nicht wirklich verändern wollen.

Nun zu Bibelstellen, welche als Argumente für eine "unsichtbare Kirche" angeführt werden:

Die falsche Praxis begann nicht erst in unseren Tagen und auch die theoretische Unterstützung dafür (=die Lehre der unsichtbaren Kirche) existierte schon sehr früh. Der Prozess fand parallel mit der Verweltlichung der Kirche statt. So wie die Gemeinde sich immer mehr von Gott und einem heiligen Leben entfernte, so nahm auch die Sensibilität gegen Sünde ab. Bereits im vierten Jahrhundert missbrauchte Augustinus zwei Gleichnisse Jesu aus Matthäus 13 im Streit mit den Donatisten, um die Wiederaufnahme von abgefallenen Bischöfen in die Kirche aufrechtzuerhalten: der Wunsch schuf falsche Lehren.

Die Gleichnisse vom Unkraut im Weizen und vom Fischernetz

Augustinus behauptete aufgrund des Gleichnisses vom Unkraut und Weizen (Matthäus 13,24-30, 36-43) und des Gleichnisses vom Netz (Matthäus 13,47-50), "dass die Gemeinde ein gemischter Leib" sei (corpus permixtum), in welchem die Bösen zusammen mit den Gerechten existieren.

"Jesus gab den Menschen ein weiteres Gleichnis und sprach: "Mit dem Reich der Himmel ist es wie mit einem Menschen, der guten Samen auf seinen Acker säte. Während aber die Menschen schliefen, kam sein Feind und säte Unkraut mitten unter den Weizen und ging weg. Als aber die Saat aufsprosste und Frucht brachte, da erschien auch das Unkraut. Es kamen aber die Knechte des Hausherrn hinzu und sprachen zu ihm: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher hat er denn Unkraut? Er aber sprach zu ihnen: Ein feindseliger Mensch hat dies getan. Die Knechte aber sprachen zu ihm: Willst du denn, daß wir hingehen und es zusammenlesen? Er aber sprach: Nein, damit ihr nicht etwa beim Zusammenlesen des Unkrauts zugleich mit ihm den Weizen ausrauft. Laßt beides zusammen wachsen bis zur Ernte, und zur Zeit der Ernte werde ich den Schnittern sagen: Lest zuerst das Unkraut zusammen, und bindet es in Bündel, um es zu verbrennen; den Weizen aber sammelt in meine Scheune!" (Matthäus 13,24-30)

"Wiederum gleicht das Reich der Himmel einem Netz, das ins Meer geworfen wurde und von jeder Gattung zusammenbrachte, das sie dann, als es voll war, ans Ufer heraufgezogen hatten; und sie setzten sich nieder und lasen die Guten in Gefäße zusammen, aber die Faulen warfen sie aus. So wird es in der Vollendung des Zeitalters sein: die Engel werden ausgehen und die Bösen aus der Mitte der Gerechten aussondern und sie in den Feuerofen werfen: da wird das Weinen und das Zähneknirschen sein." (Matthäus 13,47-50)

Augustinus identifizierte nun den Acker und das Netz mit der Gemeinde und ignorierte, dass Jesus selbst das erste Gleichnis auf andere Weise interpretierte:

"Dann entließ er die Volksmengen und kam in das Haus; und seine Jünger traten zu ihm und sprachen: deute uns das Gleichnis vom Unkraut des Ackers. Er aber antwortete und sprach: der den guten Samen sät, ist der Sohn des Menschen, der Acker aber ist die Welt; der gute Same aber sind die Söhne des Reiches, das Unkraut aber sind die Söhne des Bösen; der Feind aber, der es gesät hat, ist der Teufel; die Ernte aber ist die Vollendung des Zeitalters, die Schnitter aber sind Engel. Wie nun das Unkraut zusammengelesen und im Feuer verbrannt wird, so wird es in der Vollendung des Zeitalters sein. Der Sohn des Menschen wird seine Engel aussenden, und sie werden aus seinem Reich alle Ärgernisse zusammenlesen und die, die Gesetzloses tun; und sie werden sie in den Feuerofen werfen: da wird das Weinen und das Zähneknirschen sein. Dann werden die Gerechten leuchten wie die Sonne in dem Reich ihres Vaters. Wer Ohren hat, der höre!" (Matthäus 13,36-43)

Gemäß Vers 38 ist der Acker identisch mit der Welt. Derjenige, der aufgrund des Gleichnisses vom Weizen und Unkraut den Acker auf die Gemeinde bezieht, bestätigt damit, dass seine "Gemeinde" eins mit der Welt ist. Im Gegensatz dazu schreibt Paulus an die Gemeinde von Philippi folgendes:

"damit ihr tadellos und lauter seid, unbescholtene Kinder Gottes inmitten eines verdrehten und verkehrten Geschlechts, unter dem ihr leuchtet wie Himmelslichter in der Welt, indem ihr das Wort des Lebens festhaltet." (Philipper 2,15-16)

Die Gemeinde leuchtet in der Welt und kann deshalb nicht mit ihr identisch sein.

Wenn in Matthäus 13,41 der Sohn des Menschen die Bösen aus seinem Reich sammelt, dann bezieht Jesus hier - wenn man die oben genannten Tatsachen berücksichtigt - das Reich des Sohnes des Menschen auf die geschaffene Welt. Jesus ist der Herr des ganzen Universums und nicht nur der Gemeinde, vergleiche Johannes 1,11, wo auch die gesamte Welt als das Eigentum des fleischgewordenen Wortes (Jesus) bezeichnet wird.

In ähnlicher Weise bezieht sich auch das Gleichnis vom Netz nicht auf die Gemeinde. Von der Tatsache, dass er (Jesus) das Königreich der Himmel mit dem Netz vergleicht, folgt nicht notwendigerweise, dass das Netz die Gemeinde bedeutet. In anderen Gleichnissen vergleicht er das Himmelreich mit einem König, einem Händler usw. Natürlich denkt niemand, dass der König oder der Händler die Gemeinde symbolisieren sollen. Jesus verwendete den Ausdruck "Reich der Himmel", wenn er etwas bezüglich des Königreiches Gottes erklären wollte. "Reich Gottes"(in Matthäus: "Reich der Himmel") bedeutete für die Juden das Reich des Messias. Jesus wollte hauptsächlich die irdischen Vorstellungen darüber mit seinen Gleichnissen korrigieren.

Die Juden erwarteten vom Messias, dass er als glorreicher König handeln werde und als gerechter Richter: dass er sein Volk von der ausländischen Unterdrückung befreie und das Böse auf der Erde auslösche. Jesus wollte dieses Denken korrigieren: er war nicht gekommen, um als irdischer König zu regieren oder um Gericht zu halten. Das Gericht wird am letzten Tag sein und bis dahin müssen Gute und Böse zusammen in der Welt existieren. Sein Reich ist ein geistliches, das die Welt auf geistliche Weise überwunden hat:

"Dies habe ich zu euch geredet, damit ihr in mir Frieden habt. In der Welt habt ihr Drangsal; aber seid guten Mutes, ich habe die Welt überwunden." (Johannes 16,33)

FORTSETZUNG - ANDERE FALSCH VERSTANDENE STELLEN



FUSSNOTEN

(1) Zum besseren Verständnis dieser Stelle: Vers 12 kann aus dem Griechischen auch übersetzt werden: "Auch Simon wurde überzeugt." [zurück]

(2) Es geht nicht darum, dass der Satan eine spezielle Macht hätte, den Sünder zu foltern, sondern dass derjenige, der nicht in der Gemeinschaft ist, in der Welt ist, wo - gemäß den Worten Jesu - der Satan der Fürst ist (Johannes 14,30). Die Konfrontation mit der Welt kann im besten Fall zum Verderben des Fleisches und zum Aufgeben der sündhaften Einstellung führen. [zurück]

(3) Eine ähnliche Weise des Adressierens können wir auch in anderen Briefen sehen: Römer 1,1-7, Philipper 1,1, Kolosser 1,1-4, 2. Petrus 1,1-4 [zurück]

(4) Siehe auch die Pfingstpredigt des Petrus: Apostelgeschichte 2,40: "Lasst euch erretten aus diesem verkehrten Geschlecht." [zurück]



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