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aktualisiert: 21. Juli 2005
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Maria
Als im Jahre 8 oder 7 v. Chr. das Mädchen Mariam aus dem galiläischen Dorf Nazareth plötzlich mit dem Ruf Gottes konfrontiert wurde, Mutter des Erlösers zu werden (Lukas 1,26-38), war das der Beginn eines neuen Abschnittes in der Geschichte Gottes mit uns Menschen. Mariam sagte Ja zu der Aufgabe, die ihr Gott anvertraut hatte. Sie wurde die Mutter des Erlösers der Menschheit, Jesus, der als ewiger Logos in ihr Mensch wurde. In ihrem Sohn vereinte sich in einer Person der unendliche Gott mit einem Geschöpf. Als Mutter des Erlösers wurde Mariam von Anfang an in die Erniedrigung ihres Sohnes miteinbezogen. Bei seiner Geburt erfuhr sie Obdachlosigkeit (Lukas 2,7), kurze Zeit danach musste sie mit Mann und Kind emigrieren (Matthäus 2,13-15). Als Mutter des zwölfjährigen Jesus erfuhr sie wie sie ihre mütterlichen Gefühle der Beziehung ihres Sohnes zum ewigen Vater unterzuordnen hatte (Lukas 2,48-49). Als Mariam ihren Sohn am Anfang seines öffentlichen Wirkens, wenn auch nur indirekt, aufforderte, zur Lösung eines akuten Problems einzuschreiten, machte ihr Jesus sehr direkt bewußt, dass der Ablauf des Planes Gottes nicht von ihrem Eingreifen abhing:
Mariam verstand diese Ermahnung und überließ alles Weitere Jesus. Wir können das letzte uns aus ihrem Munde überlieferte Wort auch als Grundsatz ihres weiteren Lebens auffassen:
Sie mußte miterleben, wie durch das öffentliche Auftreten Jesu die eigene Familie zerrissen wurde, da seine eigenen Angehörigen ihn für verrückt erklärten (Markus 3,21). Ihre Beteiligung an einer Vermittlungsmission scheiterte, als Jesus nicht nur seinen übrigen Verwandten, sondern auch ihr erklärte, dass für ihn nicht die körperliche Verwandtschaft zählt, sondern die geistliche:
Danach blieb Jesu Mutter weiterhin im Hintergrund. Vieles am Verhalten ihres Sohnes war ihr unverständlich. Sie hielt ihm aber die Treue bis zu seinem Tod am Kreuz. In dieser Situation vertraute Jesus sie lieber seinem Jünger Johannes als seinen ungläubigen Verwandten an (Johannes 19,25-27). Nach der Auferstehung und der Himmelfahrt Jesu finden wir Mariam im Kreise der Jünger Jesu, mit ihnen zum Gebet versammelt (Apostelgeschichte 1,14). Danach verlieren sich die Spuren Mariams in der Geschichte. Wir dürfen annehmen, dass sie auch weiterhin mit Johannes zusammen war und dass sie als gläubige Jüngerin starb. Das Schweigen der späteren Kapitel der Apostelgeschichte und auch der gesamten Briefliteratur(3) des Neuen Testaments zeigen, dass sie ihren Platz nicht an führender Stelle sah, sondern in Unterordnung und Demut ihren Beitrag zum Aufbau der Gemeinde leistete. MARIENVEREHRUNG? Maria selber sagte:
Also kann es doch nur richtig sein, sich im Gebet vertrauensvoll an die Mutter Jesu zu wenden? Wir preisen Maria selig, so wie auch Elisabeth, ihre Verwandte, es ausgedrückt hat:
In der selben Weise preisen wir, so wie auch Jesus es gesagt hat, alle Gläubigen selig:
In ihren oben angeführten Worten folgte Maria dem Vorbild Leas, die anlässlich der Geburt Aschers, immerhin der Stammvater eines der zwölf Stämme Israels, ausrief:
Die Bedeutung der Geburt Jesu übertrifft die Bedeutung der Geburt eines Stammvaters bei weitem. Sie betrifft alle Geschlechter. Alle Geschlechter haben darum Grund, sich über den Glauben Marias zu freuen. Doch genau so wenig, wie die Töchter Israels zu Lea beteten, beten Christen zur Mutter ihres Erlösers. Gebet gebührt einzig nur Gott! Das Gebet, in dem Maria ihre Freude über ihre Erwählung zur Mutter des Erlösers ausdrückt, ist völlig auf Gott, den sie ihren Heiland (Lukas 1,47) nennt, ausgerichtet. Weder in den Worten Marias noch irgendwo sonst in den Schriften des Neuen Testaments finden wir auch nur den geringsten Grund, Maria im Gebet zu verehren oder sie auch nur um ihre Fürbitte anzurufen. Die Bibel ist voll mit Gebeten. Doch alle Gebete richten sich an Gott oder an Jesus. Kein einziges Gebet betrifft einen Menschen, so vollkommen und heilig er auch gelebt haben mag.
Die häufige Aussage sogenannter Marienverehrer, dass sie ja Maria nicht anbeten, sondern sie nur um ihre Fürbitte ersuchen, so wie man eben jeden anderen Christen darum bitten kann, für uns zu beten, scheitert nicht nur an der fehlenden biblischen Begründung, sondern auch an der Tatsache, dass Maria jetzt nicht mehr unter uns weilt, sondern in der Gegenwart Gottes lebt. Maria lebt und ist nicht tot. Aber die Grenzen zwischen dieser vergänglichen Welt und der ewigen Welt Gottes bestehen nach wie vor. Auch auf Maria trifft zu, was ein alttestamentlicher Prophet über Abraham und Israel (= Jakob), die Stammväter des Volkes Israel, gesagt hat:
Wer unter allen Jüngern kannte Maria besser als Johannes, der sie nach dem Tode Jesu zu sich genommen hat? Aller Wahrscheinlichkeit nach hat Johannes Maria um einiges überlebt und auch all seine neutestamentlichen Schriften erst nach ihrem Tode vollendet. Hätte Johannes Maria nach ihrem Tode um ihre Fürbitte angerufen, müsste das Spuren in seinen Schriften und auch in der Tradition des 2. Jahrhunderts hinterlassen haben. Doch davon ist nichts zu bemerken. Wer sind wir, dass wir in diesem Punkt besser Bescheid wissen sollten als die Apostel? Wer Maria die ihr gebührende Ehre erweist, folgt dem Beispiel der Mutter Jesu und erhebt den Herrn und preist Gott, seinen Retter! (Lukas 1,46-47). MARIA, DIE MITTLERIN? Zum Thema Mittlerschaft finden wir in der Bibel klare Aussagen:
"Marienverehrer" stimmen diesen Aussagen formal zu, aber machen aus Maria die "Mittlerin zum Mittler". So behauptete "Papst" Leo XIII:
Wenn wir aber den Zugang zu Jesus doch wieder nur über Maria haben, wird aus dieser formalen Zustimmung eine praktische Leugnung der einzigartigen Mittlerschaft Jesu. Aber hat nicht Jesus am Kreuz seine Mutter allen Menschen zur Mutter gegeben? (Johannes 19,25-27)? Ist das nicht Grund, voller Vertrauen zu ihr zu eilen? Wer kennt uns besser als die Mutter? Tatsache ist, dass davon in der Bibel nichts zu finden ist. Jesus hat als verantwortungsvoller Sohn seine Mutter lieber seinem engsten Jünger als seinen damals noch ungläubigen "Brüdern"(4) anvertraut. Noch am Kreuz zeigte Jesus einerseits seine Verantwortung für seine Mutter, andererseits aber auch, dass für ihn die geistliche Verwandtschaft vor der leiblichen kommt. Aber ist es nicht so, dass Jesus auf seine Mutter besonders hört? Wie könnte ein Sohn das flehentliche Bitten seiner Mutter verschmähen? Wer so denkt, leugnet die Liebe Gottes, der sich allen Menschen ohne Ansehen der Person zuwendet. Wenn ich mich Gott mit reiner Gesinnung nähere, hört er mich. Habe ich diese Gesinnung nicht, wird mir auch Maria nicht helfen können. Es ist Jesus, der uns zuruft:
MARIA, DIE SÜNDENLOSE? Nach dem Zeugnis des Neuen Testaments war Jesus ohne Sünde:
Wer so spricht, ist entweder größenwahnsinnig oder er hat Recht. Wir glauben gemeinsam mit den ersten Christen, dass Jesus als einziger Mensch diesen Satz sagen kann.
Von Maria hingegen finden wir keine derartige Aussage in der Bibel. Darum wird als Schriftbeleg üblicherweise der Gruß des Engels in Lukas 1,28 angeführt:
In das Wort "begnadet", das in der Vulgata(5) mit "gratia plena", also "voll der Gnade", übersetzt wurde, lesen "Marienverehrer" die gesamte Theologie der Sündenlosigkeit Marias hinein. Obwohl auch neuere katholische Übersetzungen schon längst die dem Griechischen "kecharitomene" entsprechende Formulierung "Begnadete" verwenden, wird Maria trotzdem immer noch als die "voll der Gnade" verehrt. Der Ausdruck "begnadet" weist aber gerade darauf hin, dass sie der Gnade Gottes bedurfte, drückt also eher das Gegenteil von Sündenlosigkeit aus. Bei Stephanus, über den wir folgende Aussage finden:
werden nicht die Schlußfolgerungen wie bei Maria gezogen. Auch in Stephanus' Fall können wir bei aller Hochschätzung vor dem Gehorsam und der Hingabebereitschaft des ersten Blutzeugen nicht von Sündenlosigkeit sprechen. Auch für Kirchenschriftsteller der ersten Jahrhunderte war klar, dass Maria gesündigt hatte. Als Beispiel sei hier nur Chrysostomos angeführt, der Matthäus 12,46-50 wie folgt kommentierte:
Auch wenn Chrysostomos die Situation in Matthäus 12 vielleicht überbewertet hat, zeigt sein Beispiel doch, dass auch für einen katholischen "Heiligen" des 4. Jahrhunderts die Sündenlosigkeit Marias noch kein Dogma war. So bekennen auch wir mit Clemens von Alexandrien:
MARIA, DIE MUTTER GOTTES? Das Konzil von Ephesus (431) nannte Maria "Theotokos" (Gottesgebärerin). Dieser Ausdruck ist insofern richtig, als sie den gebar, der wahrer Gott und wahrer Mensch ist. Natürlich ist klar, dass Gott, der ewige Schöpfer des Universums, ohne jeden Ursprung ist und daher weder Vater noch Mutter haben kann. Genauso wie Paulus schreiben konnte:
was heißt, dass sie Gott gekreuzigt haben, können wir auch sagen, dass Maria Gott geboren hat. Das ist aber eine Aussage über Jesus, nicht über Maria. Leider hat die grundsätzlich richtige aber falsch akzentuierte Lehre des Konzils von Ephesus aber zu einer starken Intensivierung des unbiblischen Marienkultes geführt. Die damals erfolgte Aufnahme der heidnischen Massen in die Kirche hat bewirkt, dass der heidnische Kult der Muttergottheit, mit dem auch Paulus in Ephesus konfrontiert worden war (Apostelgeschichte 19,23-40), nun endgültig Einzug ins Christentum halten konnte. Besonders von theologisch nicht geschulten Menschen wird der Begriff "Gottesgebärerin" (oder noch vereinfacht: "Gottesmutter") häufig falsch verstanden und auch noch mit entsprechenden Emotionen belegt. Dem "Himmelvater" wird die "Himmelmutter" zur Seite gestellt. Trotz formaler Beibehaltung des Monotheismus wird ein praktischer Polytheismus eingeführt. Die Mehrzahl der Gebete richtet sich dann auch an die Himmelskönigin (Vergleiche Jeremia 7,18). Die Vatergottheit ist in weite Ferne gerückt. Maria muß die strafende Hand ihres Sohnes zurückhalten.(6) Die Bibel lehrt einen anderen Gott. Der Gott, von dem die Bibel spricht, ist uns nicht ferne:
Der Gott der Bibel ist nicht in den Rahmen von Mann und Frau, Vater- und Muttergottheit zu pressen. Der unendliche Schöpfer des Universums steht über diesen Kategorien. Deswegen finden wir in der Bibel neben zahlreichen Stellen, die uns Gott als Vater zeigen, auch Aussagen, die ihn mit einer Mutter vergleichen:
Ihm allein, der uns viel mehr ist als Vater und Mutter, wollen wir dienen, unserem einzigen Gott und Retter, so wie auch Maria es tat, inmitten der Gemeinschaft der Jünger Jesu. FUSSNOTEN 1. Zurück "Mariam" ist der Name der Mutter Jesu an vielen Stellen des Neuen Testaments, wie etwa in Lukas 1,27.30.34 ... Die hebräische Form lautete "Mirjam", in ihrer aramäischen Muttersprache wurde Maria "Mariam" genannt. Wir haben bewußt diese (ursprüngliche) Version ihres Namens gewählt, um uns die Mutter Jesu als geschichtliche Person näher zu bringen. 2. Zurück Der Zusammenhang legt nahe, diesen Satz im Gegensatz zu den üblichen Übersetzungen als Frage zu übersetzen. Der Urtext kannte keine Satzzeichen. Die griechische Wortfolge erlaubt diese Übersetzung. 3. Zurück Galater 4,4 "geboren von einer Frau" ist nicht als besondere Erwähnung Marias zu werten, sondern soll die volle Menschwerdung des Sohnes Gottes unterstreichen. 4. Zurück Bei den "Brüdern Jesu" handelt es sich höchstwahrscheinlich um Cousins. Ein näheres Eingehen auf diese Frage würde aber den Rahmen dieser Abhandlung sprengen. 5. Zurück Lateinische Bibelübersetzung durch Hieronymus im 5. Jahrhundert 6. Zurück Aussage "Marias" bei der von der römisch-katholischen Kirche anerkannten Erscheinung in La Salette 7. Zurück Kanaanäische Fruchtbarkeitsgöttin 8. Zurück "Unbefleckt Empfangene" |
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