Was-CHRISTEN.-glauben.info..aktualisiert: 21. Juli 2005
Über uns . Themen . Schreib uns! . Sprachen

MARTIN LUTHERS LEHREN
(Fortsetzung)

MARTIN LUTHER LEHNTE TEILE DER HEILIGEN SCHRIFT AB

Über den Hebräerbrief schrieb er unter anderem:

Über das (hinaus) bietet er eine große Schwierigkeit dadurch, dass er im 6. und 10. Kapitel die Buße den Sündern nach der Taufe stracks verneinet und versagt und Kap. 12,17 sagt, Esau habe Buße gesucht und doch nicht gefunden, was wider alle Evangelien und Briefe des Paulus ist. Und obwohl man einen Ausweg aus der Schwierigkeit suchen möchte, so lauten doch die Worte so klar, dass ich nicht weiß, obs möglich sei. Mich dünkt, es handle sich um einen Brief aus vielen Stücken zusammengesetzt und nicht überall in gleicher Höhenlage.
Wie dem allen sein mag, so ists doch ein ausbündig gelehrter Brief, der vom Priestertum Christi meisterlich und gründlich aus der Schrift redet, dazu das Alte Testament fein und reichlich ausleget, so dass es offenbar ist, er stamme von einem trefflichen, gelehrten Manne, der ein Jünger der Apostel gewesen, viel von ihnen gelernet hat und gründlich aus der Schrift geübt ist. Und ob er wohl nicht den Grund des Glaubens legt, wie er selbst Kap.6,1 bezeugt, welches der Apostel Amt ist, so bauet er doch fein drauf Gold, Silber, Edelsteine, wie Paulus 1.Kor 3,12 sagt. Deshalb soll uns nicht hindern, ob vielleicht etwas Holz, Stroh oder Heu mit untergemenget werde, sondern wir wollen solche feine Lehre mit allen Ehren aufnehmen, nur dass man sie den apostolischen Briefen nicht in allen Dingen gleichstellen soll.(10)

Über den Jakobusbrief:

Den Brief des Jakobus, obwohl er von den Alten verworfen ist, lobe ich und halte ihn doch für gut, und zwar deshalb, weil er gar keine Menschenlehre aufstellt und Gottes Gesetz eifrig treibt. Aber, auf dass ich meine Meinung darüber begründe, jedoch ohne irgendjemands Nachteil: ich erachte ihn für keines Apostels Schrift. Und dies ist meine Ursache dafür:
Aufs erste, dass er stracks wider Paulus und alle andere Schrift den Werken die Rechtfertigung zuschreibt und sagt, Abraham sei aus seinen Werken gerechtfertigt worden, da er seinen Sohn opferte, obwohl doch Paulus Röm 4 entgegengesetzt lehret, dass Abraham ohne Werke, ehe er denn seinen Sohn opferte, gerechtfertigt worden sei, allein durch seinen Glauben, und das mit 1. Mose 15,6 beweist. Wenn nun diesem Brief vielleicht geholfen und für solche Werke ein erklärender Zusatz gefunden werden möchte, kann man ihn doch darin nicht schützen, dass er den Spruch 1.Mose 15,6 - welcher allein von Abrahams Glauben und nicht von seinen Werken sagt, wie ihn Paulus Röm 4,3ff anführet - doch auf die Werke bezieht. Darum ergibt dieser Mangel, dass er von keinem Apostel stamme.
Aber dieser Jakobus tut nicht mehr, als zu dem Gesetz und seinen Werken treiben, und wirft eins so unordentlich ins andere, dass mich dünkt, es sei irgendein guter, rechtschaffener Mann gewesen, der etliche Sprüche von den Jüngern der Apostel aufgenommen und so aufs Papier geworfen hat, oder (es) ist vielleicht nach seiner Predigt von einem andern niedergeschrieben. Er nennet (z.B.) das Gesetz ein Gesetz der Freiheit, obwohl es Paulus doch ein Gesetz der Knechtschaft, des Zorns, des Tods und der Sünde nennet.
Aufs zweite, dass er Christenleute lehren will und gedenkt nicht einmal in solcher langen Lehre des Leidens, der Auferstehung, des Geists Christi: er nennet Christus etliche Male, aber er lehret nichts von ihm, sondern spricht vom allgemeinen Glauben an Gott. Denn das Amt eines rechten Apostels ists, dass er von Christi Leiden und Auferstehen und Amt predige und für diesen Glauben den Grund lege, wie Christus selbst sagt Joh 15,27: "Ihr werdet von mir zeugen." Und darin stimmen alle rechtschaffenen, heiligen Bücher überein, dass sie allesamt Christus predigen und treiben. Das ist auch der rechte Prüfstein, alle Bücher zu beurteilen, wenn man siehet, ob sie Christus treiben oder nicht. Sintemal alle Schrift Christus zeiget, Röm 3,22f, und Paulus nichts als Christus wissen will, 1 Kor 2,2. Was Christus nicht lehret, das ist nicht apostolisch, wenns gleich Petrus oder Paulus lehret; umgekehrt, was Christus predigt, das ist apostolisch, wenns gleich Judas, Hannas, Pilatus und Herodes täte.
Darüber hinaus zitiert er die Sprüche 1.Petr 4,8: "Die Liebe bedeckt der Sünden Menge", ferner 1.Petr 5,6: "Demütigt euch unter die Hand Gottes", ferner das Wort des Paulus Gal 5,17: "Den Geist gelüstet wider das Fleisch", obwohl doch Jakobus bereits früh von Herodes zu Jerusalem (und zwar) vor Petrus getötet worden war, so dass sicher scheint, dass der (Verfasser des Briefes) lange nach Petrus und Paulus gelebt habe.(11)
In Summa: er hat denen wehren wollen, die sich auf den Glauben ohne Werke verließen und ist für diese Sache an Geist, Verstand und Worten zu schwach gewesen. Er zerreißt die Schrift und widersteht damit Paulus und aller Schrift, wills mit Gesetz Treiben ausrichten, was die Apostel mit Anreizen zur Liebe ausrichten. Darum will ich ihn nicht in meiner Bibel in der Zahl der rechten Hauptschriften haben, will aber damit niemand wehren, dass er ihn stelle und hochhalte, wie es ihn gelüstet, denn es sind sonst viele gute Sprüche darinnen. "Ein Mann ist kein Mann in weltlichen Sachen" (sagt das Sprichwort): wie sollte dann dieser Einzelne nur allein wider Paulus und alle andere Schrift gelten?(12)

Es würde den Rahmen dieser Abhandlung sprengen, auf alle Details dieses Zitats einzugehen. Deshalb nur eine Anmerkung zu einem wesentlichen Punkt. Luther nimmt hier nicht zur Kenntnis, dass Jakobus und Paulus den Begriff „Werke“ unterschiedlich verwenden. Paulus lehnt die Gesetzeswerke ab. Jakobus geht es aber um die Werke der Liebe, die nicht vernachlässigt werden sollen.

Über das Buch der Offenbarung:

An diesem Buch der Offenbarung Johannes lass ich auch jedermann seines Sinnes walten, will niemand an meine Meinung oder Urteil gebunden haben. Ich sage, was ich fühle. Mir mangelt an diesem Buch verschiedenes, so dass ichs weder für apostolisch, noch für prophetisch halte: aufs erste und allermeiste, dass die Apostel nicht mit Gesichten umgehen, sondern mit klaren und dürren Worten weissagen, wie es Petrus, Paulus, Christus im Evangelium auch tun. Denn es gebührt auch dem apostolischen Amt, klar verständlich und ohne Bild oder Gesicht von Christus und seinem Tun zu reden.
Auch gibt es keinen Propheten im Alten Testament, geschweige denn im Neuen, der so ganz durch und durch mit Gesichten und Bildern umgehe, dass ich (die Offenbarung Johannes) bei mir fast dem vierten Buch Esra(13) gleich achte und in allen Dingen nicht spüren kann, dass es von dem heiligen Geist verfasst sei.
Dazu dünkt mich das allzuviel, dass er so streng (in Bezug auf) solch sein eigenes Buch, mehr als irgendein anderes heiliges Buch tut - woran viel mehr gelegen wäre - befiehlt und drohet, wer etwas davon tue, von dem werde Gott auch tun (22,19) usw. Umgekehrt sollen selig sein, die da halten, was drinnen stehet (1,3), obwohl doch niemand weiß, was es ist, geschweige, dass ers halten sollte, und es ebenso viel ist, als hätten wirs nicht, auch wohl viele edle Bücher vorhanden sind, die zu halten sind.
Es haben auch viele der Väter dieses Buch vorzeiten verworfen und wenns auch Hieronymus mit hohen Worten anführt und sagt, es sei über alles Lob (erhaben) und so viele Geheimnisse drinnen wie Wörter, so kann er davon doch nichts beweisen und ist wohl an mehr Orten mit seinem Lob zu freigiebig.
Endlich meine davon jedermann, was ihm sein Geist gibt, mein Geist kann sich in das Buch nicht schicken, und ist mir dies Ursache genug, dass ich sein nicht hochachte, dass Christus drinnen weder gelehret noch erkannt wird, welches zu tun ein Apostel doch vor allen Dingen schuldig ist, wie Christus Apg 1,8 sagt: "Ihr sollt meine Zeugen sein." Darum bleibe ich bei den Büchern, die mir Christus hell und rein dargeben.(14)

Ein positiveres Urteil über die Offenbarung findet sich allerdings in einer späteren Vorrede zur Offenbarung Johannes aus dem Jahr 1530.

Auf jeden Fall gibt es zu denken, wie es möglich ist, dass eine so bedeutende und als Christ hervorgehobene Persönlichkeit wie Luther die oben angeführten von Gott inspirierten Schriften nicht anerkannte (vergleiche Johannes 7,16-17).

Zurück zum Beginn

FORTSETZUNG - MARTIN LUTHER LEHRTE UNBIBLISCHES ÜBER MARIA

FUSSNOTEN
10. Zurück Vorrede zum Hebräerbrief, 1522: Luther Deutsch, Hsg. Kurt Aland, Bd. 5, Stuttgart 2. Auflage 1963, S. 62, vgl. WA DB 7,344
11. Zurück Luther beruft sich hier irrtümlicherweise auf Apostelgeschichte 12,1-2, wo es aber nicht um den Autor des Jakobusbriefes, den „Herrenbruder“ - vermutlich ein Cousin Jesu - geht, sondern um den Apostel Jakobus, den Sohn des Zebedäus, den Bruder des Johannes.
12. Zurück Vorrede zum Jakobusbrief, 1522: Luther Deutsch, Bd. 5, S. 62-64, Vgl. WA DB 7,384-386
13. Zurück Das 4. Buch Esra ist eine nicht kanonische apokryphe Schrift.
14. Zurück Vorrede zur Offenbarung Johannes, 1522: Luther Deutsch, Bd. 5, S. 65f, vgl. WA DB 7,404


[Startseite] [Seitenanfang] [Themen]



Internet: was-christen-glauben.info

wir (*aet*) was-christen-glauben (*punkt*) info

Falls nicht anders angegeben, wird die Bibel nach der Elberfelder Übersetzung zitiert.
Wir stimmen zu, dass auf anderen Internetseiten Links zu unserer Homepage gesetzt werden.
Jede andere Anwendung ist an unsere Erlaubnis gebunden!
[IE6 or higher][1024x768][Full Screen(F11)]



O B E N