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MARTIN LUTHERS LEHREN (Fortsetzung)
MARTIN LUTHER LEHRTE, DASS DAS CHRISTSEIN NACH AUSSEN UNSICHTBAR IST
Luther:
Ein christlich Wesen besteht nicht im äußerlichem Wandel; es wandelt auch den Menschen nicht nach dem äußerlichen Stande, sondern nach dem innerlichen, d.h. es gibt ein andres Herz, einen andren Mut, Willen und Sinn, welcher dieselben Werke tut, die ein anderer ohne solchen Mut und Willen tut. Denn ein Christ weiß, dass es ganz am Glauben liegt. Darum gehet, stehet, isset, trinket, kleidet, wirket und wandelt er wie sonst ein gemeiner Mann ins einem Stande, dass man nicht seines Christentums gewahr wird, wie Christus Luk. 17,20f saget: Das Reich Gottes kommt nicht mit äußerlichen Gebärden; man wird auch nicht sagen: Siehe hier! oder: da ist es! Denn sehet, das Reich Gottes ist inwendig in euch(7)
Man kann einen Christen nicht recht nach dem äußerlichen Leben beurteilen. Denn es ist ebenso unrein und baufällig wie des Nichtchristen Leben. Deshalb müssen sie täglich beten: "Vergib uns unsere Schuld". Wer aber einen Christen recht ansehen und beurteilen will, der tue es nach dem Glauben. Denn nach unserm Fleisch und Blut sind wir Sünder und müssen ebenso sterben und allerlei Unglück hier auf Erden erwarten und wohl mehr als andere Leute, die Nichtchristen sind. Denn Christen fühlen die Sünde mehr als andere Leute.(8)
Luthers Denken über die christliche Lebenspraxis ist mit der Lehre der Bibel nicht vereinbar, und wirft auch im Zusammenhang mit dem Wesen des Menschen Probleme auf. Seele, Wille, Verstand des Menschen sind nicht unabhängig von dessen Taten. Wir sind Wesen mit Bewusstsein und überlegen uns, was wir tun. Unser inneres Wesen, unsere überzeugung offenbart sich durch unser Tun:
Denn es gibt keinen guten Baum, der faule Frucht bringt, auch wieder keinen faulen Baum, der gute Frucht bringt; denn jeder Baum wird an seiner eigenen Frucht erkannt ... Der gute Mensch bringt aus dem guten Schatz seines Herzens das Gute hervor, und der böse bringt aus dem bösen das Böse hervor ... (Lukas 6,43-45)
Die Bekehrung bedeutet eine völlige Umwandlung der Denkweise, eine neue Wertordnung, auf Grund derer jemand sein Leben neu ordnet:
Und seid nicht gleichförmig dieser Welt, sondern werdet verwandelt durch die Erneuerung des Sinnes, dass ihr prüfen mögt, was der Wille Gottes ist: das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene. (Römer 12,2)
Ungläubige können durch das Lebenszeugnis eines Christen das Wirken Gottes sehen und von seiner Liebe und von der Sünde befreienden Kraft überzeugt werden:
Ihr seid das Licht der Welt; eine Stadt, die oben auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen sein. Man zündet auch nicht eine Lampe an und setzt sie unter den Scheffel, sondern auf das Lampengestell, und sie leuchtet allen, die im Hause sind. So soll euer Licht leuchten vor den Menschen, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater, der in den Himmeln ist, verherrlichen. (Matthäus 5,14-16)
Was wäre dieses Licht für die ohne Gott lebenden Menschen, wenn unser Christsein nicht an unserem Verhalten sichtbar wäre? Auch Petrus sieht einen großen Unterschied zwischen dem Lebenswandel vor und nach der Bekehrung. Weil die Christen nicht mehr die bösen Taten der Gottlosen mitmachen, werden sie von ihnen verspottet:
... um ... nicht mehr den Begierden der Menschen, sondern dem Willen Gottes zu leben. Denn die vergangene Zeit ist genug, den Willen der Nationen vollbracht zu haben, als ihr wandeltet in Ausschweifungen, Begierden, Trunkenheit, Festgelagen, Trinkgelagen und frevelhaften Götzendiensten. Hierbei befremdet es sie, dass ihr nicht mehr mitlauft in demselben Strom der Heillosigkeit, und sie lästern. (1 Petrus 4,2-4)
Zur Äußerung Luthers Wer aber einen Christen recht ansehen und beurteilen will, der tue es nach dem Glauben sollten wir die Gedanken, die Jakobus in seinem Brief niedergeschrieben hat, lesen:
Was nützt es, meine Brüder, wenn jemand sagt, er habe Glauben, hat aber keine Werke? (Jakobus 2,14)
... dass der Glaube ohne die Werke nutzlos ist. (Jakobus 2,20)
Das sogenannte Missverständnis des Jakobus beruht auf einer unrichtigen Gegenüberstellung von Glauben und Werken, so als ob man durch gute Werke gerettet werden könnte. Bei Jakobus ist die Reihenfolge aber eindeutig: Die Werke sind die Früchte eines lebendigen Glaubens und dessen notwendige Folge.
Denn aus Gnade seid ihr gerettet durch den Glauben, und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es; nicht aus Werken, damit niemand sich rühme. Denn wir sind sein Gebilde, in Christus Jesus geschaffen zu guten Werken, die Gott vorher bereitet hat, damit wir in ihnen wandeln sollen. (Epheser 2,8-10)
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FORTSETZUNG - MARTIN LUTHER LEHNTE TEILE DER HEILIGEN SCHRIFT AB
FUSSNOTEN
7. Zurück Weihnachtspostille 1522: Luther Deutsch, Erg.Bd. Lutherlexikon, S. 57f, vgl. WA 10I1,137,18-138,5 - Zur angeführten Bibelstelle ist zu sagen, dass auch moderne Ausgaben der Lutherbibel diese Stelle anders übersetzen: "Denn siehe, das Reich Gottes ist mitten unter Euch." Jesus sprach hier nicht von einem äußerlich verborgen bleibenden Wirken Gottes sondern, dass mit ihm das Reich Gottes unter den Menschen gegenwärtig ist. Jesus hat dieses Wort auch nicht zu Christen, sondern zu seinen Gegnern, den Pharisäern gesprochen. Es kann hier also nicht um das unsichtbare Christsein gehen.
8. Zurück Hauspostille 1544, Von der Frucht der Auferstehung Christi: Luther Deutsch, Erg.Bd. Lutherlexikon, S.58, vgl. WA 52,251, 18-24
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