Was-CHRISTEN.-glauben.info..aktualisiert: 21. Juli 2005
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MARTIN LUTHERS LEHREN
(Fortsetzung)

MARTIN LUTHER LEUGNETE DEN FREIEN WILLEN

Luther:

Der freie Wille nach dem Sündenfall ist allein dem Namen nach eine Wirklichkeit. Wenn er (der freie Wille) das tut, was in ihm ist, so begeht er eine Todsünde.(1)

Es ist also auch dies vor allen Dingen notwendig und heilsam für den Christen zu wissen, dass Gott nichts zufällig vorherweiß, sondern dass er alles mit unwandelbarem, ewigem und unfehlbarem Willen sowohl vorhersieht, sich vornimmt und ausführt. Durch diesen Donnerschlag wird der freie Wille zu Boden gestreckt und ganz und gar zermalmt. Deshalb müssen die, welche den freien Willen behauptet haben wollen, diese schlagende Erkenntnis entweder verneinen oder verleugnen oder auf irgendeine andere Weise von sich schaffen.(2)

Wenn aber Gottes Vorherwissen und Allmacht zugegeben wird, so folgt daraus natürlich mit unantastbarer Folgerichtigkeit, dass wir nicht durch uns selbst geschaffen sind oder leben oder irgend etwas vollbringen, sondern alles geschieht nur durch Gottes Allmacht. Da er aber im Voraus wusste, dass wir so sein würden und uns auch jetzt so erschafft, lenkt und regiert, was kann dann, so frage ich, überhaupt erdacht werden, das in uns frei sei, dass es so oder anders geschehe, als Gott es vorausgesehen hat und nun ins Werk setzt? So steht also Gottes Vorherwissen und Allmacht im schärfsten Gegensatz zu unserm freien Willen. Denn entweder irrt Gott in seinem Vorherwissen und wird sich dann auch in seinem Tun irren - was doch unmöglich ist - oder wir handeln und werden geleitet nach seinem Vorherwissen und Handeln. Als Allmacht Gottes aber bezeichne ich nicht jene Macht, durch die er vieles nicht tut, was er wohl könnte, sondern jene handelnde Kraft, durch die er machtvoll alles in allem wirkt; und in diesem Sinne nennt ihn auch die Schrift allmächtig. Und diese Allmacht und dieses Vorherwissen Gottes zerstört - so sage ich - von Grund aus die Lehre vom freien Willen.(3)

Diese Äußerungen Luthers stehen in klarem Gegensatz zu Gottes Wesen, der in seiner Liebe das Heil für alle Menschen will. Sein größter Fehler dabei ist die Lehre, dass durch Gottes Vorherwissen und Allmacht die Entscheidungen des Menschen vorher bestimmt seien. Hier ist es wichtig, zu klären, dass Gott das im Voraus weiß, was der Mensch in völliger Freiheit entscheiden wird. Gott ist allwissend, weil er zeitlos ist, weil er über der Zeit steht. Deswegen beeinflusst dieses Wissen nicht die innerzeitlichen Ereignisse. Gottes Vorherwissen steht daher in keinem Widerspruch zur menschlichen Freiheit und zerstört diese nicht. Die biblische Lehre von Gottes Allmacht widerspricht nicht der Feststellung, dass Gott vieles, was in der Welt geschieht, nicht direkt ausführt. Gott kann auch zulassen, dass die Dinge aufgrund der durch ihn bestimmten Grundsätze - wie zum Beispiel dem freien Willen - ihren freien Lauf nehmen.

Wir gehen ausführlicher auf die Lehre der Prädestination (Vorherbestimmung) in einer eigenen Abhandlung dazu ein.

Nach der Lehre der Bibel will Gott, dass jeder Mensch gerettet werde und zur Erkenntnis der Wahrheit gelange (Johannes 12,44-50; 1 Timotheus 2,1-7). Obwohl Gott will, dass alle Menschen gerettet werden, geschieht es nicht, und wird - leider - auch nicht geschehen, wie das auch die biblische Lehre über die ewige Verdammnis ausdrückt (Matthäus 25,31-46 - besonders Vers 46; 2 Thessalonicher 1,3-10 usw.). Wie kann es aber nun sein, dass, wenn Gott will, dass alle gerettet werden, die Mehrheit der Menschen trotzdem nicht das Heil erlangen? Ist Gott nicht allmächtig oder hat der Mensch einen freien Willen?

Luther:

So ist der menschliche Wille in die Mitte gestellt (zwischen Gott und Santan [sic!] ) wie ein Zugtier. Wenn Gott sich darauf gesetzt hat, will er und geht, wohin Gott will, wie Psalm (73,22f) sagt: „Ich bin wie ein Tier geworden und ich bin immer bei dir.“ Wenn Satan sich darauf gesetzt hat, will und geht er, wohin Satan will. Und es steht nicht in seiner freien Entscheidung, zu einem von beiden Reitern zu laufen oder ihn sich zu verschaffen zu suchen, sondern die Reiter selbst kämpfen miteinander, ihn zu erlangen und zu besitzen.(4)

Mit diesen Worten widerspricht Luther seinen eigenen Aussagen über die Allmacht Gottes. Er beschreibt den Satan wie ein mächtiges Wesen, das mit Gott auf einer Ebene steht. Gott muss mit ihm um den Menschen kämpfen. Dieser lutherische Dualismus hat sich von der Lehre der Bibel so weit wie nur vorstellbar entfernt. Wenn Gott allmächtig ist, warum muss er dann um irgendetwas kämpfen? Andererseits - um mit Luthers Logik zu argumentieren - wie kann es geschehen, dass im Gegensatz zum Willen des allmächtigen Gottes Satan auf einem Menschen „reiten“ kann? Oder ist vielleicht gerade das der Wille Gottes, des Gottes der Liebe?! Übrigens hat Luther Ps 73 völlig aus dem Zusammenhang herausgerissen zitiert. Der Psalmist will sagen, dass so lange sein Herz erbittert war, er vor Gott wie ein Tier war, verschlossen gegen die Erkenntnis, die Gott ihm schenken wollte. Doch nun hat er sich Gott zugewandt, und hat die Gewissheit, bei Gott zu sein.

Luther:

Wenn wir dieses Wort (freier Wille) nicht überhaupt aufgeben wollen, was am sichersten und am frömmsten wäre, sollten wir lehren, es doch bis dahin gewissenhaft zu gebrauchen: dass dem Menschen ein freier Wille nicht in Bezug auf die Dinge eingeräumt sei, die höher sind als er, sondern nur in Bezug auf das, was so viel niedriger ist als er, d.h. dass er weiß, er habe in Bezug auf seine zeitlichen Geldmittel und Besitztümer das Recht, etwas zu gebrauchen, zu tun, zu lassen nach freiem Ermessen (obwohl auch dies durch den freien Willen Gottes allein gelenkt wird wohin immer es ihm gefällt). Im übrigen hat er gegenüber Gott oder in den Dingen, welche Seligkeit oder Verdammnis angehen, keinen freien Willen, sondern ist gefangen, unterworfen, geknechtet entweder vom Willen Gottes oder vom Willen des Satans.(5)

Luther gerät hier wieder in einen interessanten Widerspruch mit sich selber. Auch er bemerkt, dass man dem Menschen irgendeine Freiheit zuschreiben muss, wenigstens in den alltäglichen Dingen. Aber dazu, um diesen Gedanken aufrichtig zu Ende zu führen, hängt er schon zu sehr an seinen Lehren. Mit seinen in Klammern gesetzten Ausführungen „(obwohl auch dies durch den freien Willen Gottes allein gelenkt wird wohin immer es ihm gefällt)“ weist er das Ziehen der richtigen Konsequenzen einfach zurück, nämlich dass der Mensch doch einen freien Willen hat.

Luther:

Ich bekenne fürwahr in Bezug auf mich: Wenn es irgendwie geschehen könnte, möchte ich nicht, dass mir ein freier Wille gegeben werde, oder dass etwas in meiner Hand gelassen würde, womit ich nach dem Heil streben könnte.(6)

Dieses Bekenntnis Luthers bezeugt, wie wenig er Gott und die Wahrheit geliebt hat. Die Bibel spricht gerade über den unausweichlichen, hingebungsvollen und konsequenten Kampf um den rechten Gebrauch des menschlichen Willens (Römer 6; Römer 12,1-2 usw.). Gott nimmt uns in sein Reich auf, aber nur dann, wenn wir das wollen (z.B. Lukas 13,22-30).

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FORTSETZUNG - MARTIN LUTHER LEHRTE, DASS DAS CHRISTSEIN NACH AUSSEN UNSICHTBAR IST

FUSSNOTEN
1. Zurück Disputatio Heidelbergae habita, 1518: Luther Deutsch, Ergänzungsband Lutherlexikon, Hsg. Kurt Aland, Göttingen 3. Aufl. 1974, S. 390; vgl. Weimarer Ausgabe (WA) 1,358,33-34
2. Zurück De servo arbitrio - Vom unfreien Willen, 1525: Luther Deutsch, Hsg. Kurt Aland, Bd. 3, Stuttgart 3. Auflage 1961, S. 171; vgl. WA 18,615
3. Zurück De servo arbitrio - Vom unfreien Willen, 1525: Luther Deutsch, Bd 3, S. 287, vgl. WA 18,718
4. Zurück De servo arbitrio - Vom unfreien Willen, 1525 Luther Deutsch, Erg.Bd. Lutherlexikon, S. 390f, vgl. WA 18,635,17-22
5. Zurück De servo arbitrio - Vom unfreien Willen, 1525: Luther Deutsch, Erg.Bd. Lutherlexikon, S. 390, vgl. WA 18,638,4-11
6. Zurück De servo arbitrio - Vom unfreien Willen, 1525: Luther Deutsch, Bd 3, S. 326f, vgl. WA 18,783


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