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aktualisiert: 21. Juli 2005
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Liebe und Beurteilen
EINLEITUNG Oft hört man von Menschen aus verschiedenen christlichen Konfessionen das Bibelzitat "Richtet nicht, auf dass ihr nicht gerichtet werdet." Viele denken jeder steht selbst vor Gott und niemand kann etwas Objektives über das Leben und Handeln der Anderen sagen - erst recht nicht hinsichtlich des Heils. Das Leben der Anderen, besonders im religiösen Bereich, ist Privatsache, die für Außenstehende völlig oder größtenteils Tabu ist. Für viele Menschen scheint jede Kritik ein Verurteilen, eine Aufdringlichkeit oder ein unbefugtes Betreten eines "heiligen" Gebietes zu sein. Ähnlich sehen sie das auch mit dem Beurteilen und Bewerten der Glaubensansichten verschiedener Gruppen. Wenn man aber die Ansichten der Anderen als einen Irrweg ansieht, folgt daraus auch, dass die Anderen auf einem Irrweg gehen. Mit den folgenden Gedanken möchten wir eine Antwort geben und dieses Thema im Lichte Jesu und der christlichen Lehre betrachten. ZUM UNTERSCHIED ZWISCHEN BEURTEILEN UND VERURTEILEN Viele sehen Beurteilen und Verurteilen als ein- und dasselbe an, obwohl der Unterschied sehr groß ist. Der Begriff BEurteilen muss nicht unbedingt negativ verstanden werden. Die bloße Stellungnahme zwischen Gut und Böse ist eigentlich nur die praktische Anwendung der durch Gott in der Bibel offenbarten Grundsätze. Sie ist sowohl im irdischen als auch im geistlichen Leben wichtig. Das VERurteilen hingegen setzt schon von vornherein eine schlechte Gesinnung voraus. Das BEurteilen aber kommt aus der Sehnsucht nach Wahrheit und aus dem Wunsch, das Gute kennenzulernen und will damit auch dem Anderen helfen. Jedoch ohne diese Motivation wird eine vollkommen gerechtfertigte und angebrachte Ermahnung ein liebloses und erbarmungsloses Verurteilen sein. In der Bibel findet man mehrere Stellen, in denen gegen das selbstgerechte, pharisäische Verhalten gesprochen wird (z.B. Matthäus 9,9-13, Lukas 18,9-14 usw.). Jesus meint mit der folgenden gut bekannten, aber leider oft falsch interpretierten Warnung gerade dieses lieblose Verhalten.
Ein wesentlicher Punkt dieser Ermahnung ist, dass der Angesprochene ein hochmütiger, selbstgerechter Heuchler ist, der die Sünden der Anderen überbetont, ohne seine eigenen sehen zu wollen. Es ist also nicht die Rede davon, dass man den Splitter nicht entfernen darf, sondern Jesus hat nur die Art und Weise und die schlechte Gesinnung kritisiert. Das zentrale Anliegen Jesu ist, dass wir unsere eigenen Sünden größer sehen als die der Anderen. Dies bedeutet Selbstkritik und Abkehr von eigenen Sünden. Dann werden wir fähig sein, den Anderen zu helfen. "Was aber siehst du den Splitter... den Balken aber in deinem Auge nimmst du nicht wahr? Oder wie wirst du sagen: Erlaube, ich will den Splitter aus deinem Auge ziehen, und siehe, der Balken ist in deinem Auge?" Selbst die Bilder, die in den Gleichnissen verwendet werden, passen nicht zu dem weit verbreiteten Gedanken, dass man den Splitter im Auge der Anderen nicht antasten darf. Ein Splitter im Auge zu haben ist niemandem angenehm. Die Parallelstelle zum letzten Zitat aus Matthäus 7 in Lukas 6:37-42 drückt noch klarer aus, dass Jesus nur gegen das lieblose Verurteilen sprechen wollte: "Und richtet nicht, und ihr werdet nicht gerichtet werden, verurteilt nicht, und ihr werdet nicht verurteilt werden, sprecht frei, und ihr werdet freigesprochen werden..." Viele Gleichnisse (z.B. Matthäus 7,6.15-23, Lukas 6,43-46) fordern gerade zu nüchterner Kritik und Beurteilung auf: "Wer ist würdig unsere Perlen zu empfangen?", "Deckt falsche Propheten durch ihre Früchte auf!", "Wer sind diejenigen, die nicht in Gottes Reich eingehen werden?" usw. Jesus sprach sicher nicht darüber, dass Beurteilung verwerflich ist. DER PLATZ DER BEURTEILUNG IN DER BEZIEHUNG ZU GOTT In der durch Sünde geprägten Welt ist nichts so sicher, dass man sich ohne tieferes Prüfen darauf verlassen kann (2. Korinther 11,14-15). Gott aber hat uns aus seiner großen Liebe und Gnade heraus den Weg offenbart und für uns Menschen erreichbar gemacht. Er hat das Böse und die Sünde aufgedeckt (Johannes 15:14-15.22-24).
Man kann nur dann mit Gott leben, wenn man diese Gnade annimmt und in der Wahrheit lebt, die er uns als Grundlage gegeben hat (Römer 12,1-2). Es ist also lebensnotwendig die Wahrheit zu finden und auch danach zu leben, und gleichzeitig auch das Böse aufzudecken und uns davon zu distanzieren. Tut man dies nicht, kann man den Weg zum Ewigen Leben verfehlen.
Wenn zum Beispiel jemand ein Pilzgericht zubereiten möchte, wird er da nicht vorher alle Pilze, die er verwendet, gut auf Essbarkeit und Genießbarkeit überprüfen? Wie sollte es da möglich sein, bezüglich Gott leichtfertig und blind zu sein? Wie sollte beides richtig sein: Entweder Gott bestimmt jemanden für die Hölle vorher oder nicht; entweder ist der Heilige Geist eine Person oder er ist keine; entweder ist der Mensch von Natur aus ein Sünder oder nicht; entweder gibt es eine Hölle oder es gibt keine? Man könnte so noch zahlreiche Beispiele aus der Lehre der unterschiedlichen religiösen Gruppen und Kirchen sammeln, die wie die genannten nicht nur abstrakte theologische Erörterungen sind, sondern unser Leben ganz grundlegend beeinflussen. Sind nicht alle zur Stellungnahme aufgerufen, die sich für Fragen interessieren wie: Was ist Wahrheit? Wie ist Gott? Wie kann man gottgefällig leben? Wie kann man in Gott wahren Glauben und Liebe finden? Als Antwort darauf finden wir in der Bibel zahlreiche Aufforderungen dazu, dass wir alles und alle prüfen und beurteilen sollen:
DIE BEURTEILUNG IM LEBEN DER GEMEINDE Die Beurteilung gehört sehr eng zur Liebe. Um dem Anderen das geben zu können, was nach dem Willen Gottes wirklich notwendig ist, müssen wir - aufgrund seines Lebens und seiner Taten - ein klares Bild darüber haben, wie die Beziehung des Anderen zu Gott ist bzw. welche Mängel seine Beziehung zu Gott aufweist. Die meisten Menschen sind jedoch stolz und reagieren überempfindlich, wenn man sie in etwas kritisiert. Es ist bestimmt einfacher, um einen möglichen Konflikt zu vermeiden, darauf zu verzichten, andere mit ihren Verirrungen zu konfrontieren und zur Änderung zu rufen. Aber dieser leichtere Weg führte die Gemeinden des ersten Jahrhunderts zu mehreren drastischen Veränderungen:
Diese Gefahren schon vorhersehend ermuntert uns die Bibel, dass wir uns darin üben sollen, für unsere Geschwister Verantwortung zu tragen, sie zu ermahnen und zu ermuntern. Nur so ist es möglich, dass die Liebe nach dem Willen Gottes, die Disziplin und die Reinheit erhalten bleiben.
Neben den Aufforderungen zur Ermunterung, finden wir auch viele Beispiele dafür, wie die Christen über die richtige Lehre und die Kirche wachten, die "ein Pfeiler und eine Grundfeste der Wahrheit" ist. (1. Timotheus 3,15)
Aus der folgenden Stelle wird ersichtlich, dass die Beurteilung und das Prüfen in den biblischen Gemeinden auch dabei eine unerlässliche Rolle spielten, dass man einander kennenlernt und Ungläubigen zur Umkehr verhilft:
Auch Jesus zeigte diejenigen Dinge klar auf, die die Menschen von ihm fernhielten. (z.B. in Matthäus 23,37-54 und 19,16-22) Wenn auch wir wollen, dass andere ihm näher kommen, müssen wir seinem Beispiel folgen, auch wenn dies zu Konflikten und Ablehnung führt (2. Timotheus 4,14-15). Aus all dem ist klar ersichtlich, dass die Beurteilung in sich auf keinen Fall ein negativer Begriff ist, sondern eine wichtige Grundlage der christlichen Bruder-, Wahrheits- und Menschenliebe. |
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