Der Sabbat und seine Bedeutung

“Muss man als Christ alle zehn Gebote halten?” oder “Wie steht es um das vierte Gebot, den Sabbat?” Solche Fragen werden von Menschen, die sich mit der Bibel beschäftigen, häufiger gestellt.

In dem folgenden Text wollen wir erklären, welche Einstellung wir als Christen zum Sabbat haben sollen. Dabei gehen wir auch kurz allgemeiner auf die Bedeutung dieses alttestamentlichen Gebotes ein und darauf, wie dieses im Neuen Testament erfüllt wurde.

1. Wem und wann wurde der Sabbat gegeben?

In den Zehn Geboten heißt es:

Beachte den Sabbattag, um ihn heilig zu halten, so wie der HERR, dein Gott, es dir geboten hat! Sechs Tage sollst du arbeiten und all deine Arbeit tun; aber der siebte Tag ist Sabbat für den HERRN, deinen Gott. Du sollst an ihm keinerlei Arbeit tun, du und dein Sohn und deine Tochter und dein Sklave und deine Sklavin und dein Rind und dein Esel und all dein Vieh und der Fremde bei dir, der innerhalb deiner Tore wohnt, damit dein Sklave und deine Sklavin ruhen wie du. Und denke daran, dass du Sklave warst im Land Ägypten und dass der HERR, dein Gott, dich mit starker Hand und mit ausgestrecktem Arm von dort herausgeführt hat! Darum hat der HERR, dein Gott, dir geboten, den Sabbattag zu feiern. (5. Mose 5,12-15)

Das Sabbatgebot hatte vor allem zum Ziel, dass Gottes Volk (wenigstens1 diesen) einen Tag der Sieben-Tage-Woche ganz Gott weihen sollte.

Zusätzlich können wir aus dieser Stelle sehen, dass der Sabbat eine Erinnerung an den Auszug aus Ägypten war. Die Israeliten sollten ihren Sklaven einen Ruhetag gewähren und sich daran erinnern, dass auch sie Sklaven waren. Sie sollten sich daher ihren Sklaven gegenüber gerecht verhalten. Vergleiche dazu 2. Mose 23,12:

Sechs Tage sollst du deine Arbeiten verrichten. Aber am siebten Tag sollst du ruhen, damit dein Rind und dein Esel ausruhen und der Sohn deiner Magd und der Fremde Atem schöpfen.

Im Licht dieser Gedanken sollen wir auch die folgenden Verse betrachten:

Haltet nur ja meine Sabbate! Denn sie sind ein Zeichen zwischen mir und euch für all eure Generationen, damit man erkenne, dass ich, der HERR, es bin, der euch heiligt. Haltet also den Sabbat, denn heilig ist er euch. Wer ihn entweiht, muss getötet werden, ja, jeder, der an ihm eine Arbeit verrichtet, eine solche Seele soll aus der Mitte seiner Völker ausgerottet werden. (Elberfelder Bibel Anmerkung: „d. h. aus seiner Volksgemeinschaft“) Sechs Tage soll man seine Arbeit verrichten, aber am siebten Tag ist Sabbat, ein Tag völliger Ruhe, heilig dem HERRN. Jeder, der am Tag des Sabbats eine Arbeit verrichtet, muss getötet werden. So sollen denn die Söhne Israel den Sabbat halten, um den Sabbat in all ihren Generationen zu feiern, als ewigen Bund. Er ist ein Zeichen zwischen mir und den Söhnen Israel für ewig. Denn in sechs Tagen hat der HERR den Himmel und die Erde gemacht, am siebten Tag aber hat er geruht und Atem geschöpft. (2. Mose 31,13-17)

Hier wird klar ausgesagt, dass der Sabbat als Zeichen für den Bund zwischen Gott und dem Volk Israel gegeben wurde.

Und auf den Berg Sinai bist du herabgestiegen und hast vom Himmel her mit ihnen geredet. Und du hast ihnen klare Rechtsbestimmungen und zuverlässige Gesetze, gute Ordnungen und Gebote gegeben. Und deinen heiligen Sabbat hast du ihnen verkündet und hast ihnen Gebote und Ordnungen und ein Gesetz geboten durch deinen Knecht Mose. (Nehemia 9,13-14)

Aus dieser Stelle können wir sehen, dass der Sabbat nicht seit der Schöpfung bekannt war, sondern Gott hat ihn dem Volk Israel bekanntgemacht, als er ihnen das Gesetz gegeben hat. Auch aus den übrigen Büchern der Bibel kann man sehen, dass der Sabbat vor Mose nicht gehalten wurde.

Und ich führte sie aus dem Land Ägypten und brachte sie in die Wüste. Und ich gab ihnen meine Ordnungen, und meine Rechtsbestimmungen ließ ich sie wissen, durch die der Mensch, wenn er sie tut, lebt. Und auch meine Sabbate gab ich ihnen, dass sie zum Bundeszeichen seien zwischen mir und ihnen, damit man erkenne, dass ich, der HERR, es bin, der sie heiligt. […] Und heiligt meine Sabbate, damit sie zum Bundeszeichen seien zwischen mir und euch, damit ihr erkennt, dass ich der HERR, euer Gott bin. (Ezechiel 20,10-12.20)

Hier heißt es zweimal klar, dass der Sabbat das Bundeszeichen zwischen Gott und seinem Volk ist, das er aus dem Land Ägypten geführt hatte.

Aus all diesen Stellen sehen wir, dass Gott den Sabbat dem Volk Israel gegeben hat, als er sie aus dem Land Ägypten herausgeführt hat, damit er ein Zeichen des mit ihnen geschlossenen Bundes sei. Das war ein Gesetz, das ausschließlich Israel gegeben wurde, als ein Zeichen, das es von allen anderen Völkern unterscheiden sollte, und das auch bei keinem anderen Volk zu finden ist.

2. Wie sollen wir verstehen, dass Gott am Sabbat geruht hat?

Manche argumentieren mit 1. Mose 2,2-3, dass Gott das Sabbatgebot bereits bei der Schöpfung gegeben hat, und da Gott selbst geruht hat, müssen auch wir den Ruhetag einhalten, weil es sich hier um ein “Schöpfungsgesetz” handle.

Und Gott vollendete am siebten Tag sein Werk, das er gemacht hatte; und er ruhte am siebten Tag von all seinem Werk, das er gemacht hatte. Und Gott segnete den siebten Tag und heiligte ihn; denn an ihm ruhte er von all seinem Werk, das Gott geschaffen hatte, indem er es machte.

Wenn wir Gottes Wesen verstehen wollen, müssen wir auch die Verse untersuchen, die klar darüber sprechen, dass Gott nie aufhört zu wirken.

Meine Hilfe kommt vom HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat. Er wird nicht zulassen, dass dein Fuß wanke. Dein Hüter schlummert nicht. Siehe, nicht schlummert und nicht schläft der Hüter Israels. (Psalm 121,2-4)
Mein Vater wirkt bis jetzt, und ich wirke. (Johannes 5,17)
[…] bei dem keine Veränderung ist noch eines Wechsels Schatten. (Jakobus 1,17)

Gottes Wesen ist ewig und unveränderlich, sodass er “nicht ermüdet noch ermattet” (Jesaja 40,28). Im Lichte dieser Aussagen ist das richtige Verständnis von 1. Mose 2,2-3 zu finden. Anstatt diese Verse wortwörtlich zu verstehen, ist es wichtig, dass wir sie in Übereinstimmung mit anderen Aussagen der Bibel sehen.

Wenn hier gesagt wird, dass Gott am siebten Tag ruhte, ihn segnete und heiligte, so zeigt diese Aussage, dass Ruhe und Frieden genauso zu Gottes Wesen gehören wie sein Wirken und seine Aktivität. Diese Ruhe drückt aus:

  • Gott vollendete seine schöpferische Arbeit und sah, dass alles sehr gut war, es war vollkommen, bedurfte keiner Verbesserung, Korrektur, Ausbesserung. Gott freute sich über sein Werk, feierte es, weil er es aus seiner Liebe heraus schuf (Psalm 104,31).
  • Die Stelle drückt auch aus, dass das Ziel der Schöpfung die Ruhe ist – nicht passive Ruhe, sondern die Gemeinschaft mit Gott, wenn wir Ihn verherrlichen und er Zeit für uns hat. Das können wir schon in diesem Leben erfahren, vollkommen jedoch erst in der Ewigkeit. Deshalb interpretiert das Neue Testament die Ruhe am siebenten Tag als die ewige Gemeinschaft im Himmel (Hebräer 4,10-11 in die Ruhe Gottes eingehen).
  • Er hat den Menschen nach seinem Bild geschaffen. So ist auch für den Menschen das Ziel des Lebens nicht rastlose Arbeit und Mühe, sondern die Beziehung zu seinem Schöpfer. Der Mensch soll sich nicht in seinen Aktivitäten verlieren, sondern das höhere Ziel vor Augen haben. Gott ist immer aktiv und doch immer ruhend.
  • Gott fand Ruhe in seinem vollkommenen Werk. Das lehrt uns auch, dass wir Ruhe finden können, wenn wir Seinen Willen tun.

Der Mensch kann viel aus 1. Mose 2,3 und überhaupt aus den Schöpfungsgeschichten lernen. Sie lehren uns geistlich wichtige Dinge, aber wir sollen nicht daraus schließen, dass Gott der Zeit unterworfen wäre und 24 Stunden nicht arbeitete. Das Alte Testament wurde ursprünglich für die Israeliten geschrieben, weshalb die Ausdrucksweise jüdisch ist. So wird hier der Schöpfungsakt Gottes im Rahmen einer Woche beschrieben, die mit der Sabbatruhe endet. Die Israeliten sollten damit ermuntert werden, den Sabbat zu halten, der oft in ihrer Geschichte vernachlässigt wurde, was Ausdruck ihrer Untreue Gott gegenüber war.

3. Wie ist Jesus mit dem Sabbat umgegangen?

Auch wenn Jesus die jüdischen Gesetze gehalten hat, hat er in seiner Hingabe im Dienst an den Menschen keinen Unterschied zwischen den Tagen gemacht. Wie die Situation mit dem Pflücken der Ähren am Sabbat zeigt (Matthäus 12,1-8), war Jesus der Meinung, dass Gott keinen Wert auf die formelle Einhaltung der Sabbat-Verbote legt, sondern uns gemäß unserer Herzenseinstellung als schuldig oder unschuldig beurteilt.

Zur Empörung seiner Gegner hat Jesus mehrere Male auch am Sabbat geheilt, wobei er zum Beispiel einen Teig herstellte und einem Blinden auf die Augen strich (Johannes 9,6-7). In einer anderen Situation forderte er einen geheilten Mann auf, sein Bett zu tragen (Johannes 5,8-10). Dann steht:

Darum nun suchten die Juden noch mehr, ihn zu töten, weil er nicht allein den Sabbat aufhob, sondern auch Gott seinen eigenen Vater nannte und sich so selbst Gott gleich machte. (Johannes 5,18)

Er sagte auch:

Denn der Sohn des Menschen ist Herr des Sabbats. (Matthäus 12,8)

Mit diesen Dingen wollte Jesus die heuchlerische Religiosität seiner Kritiker aufdecken. In der Bergpredigt (Matthäus 5) sehen wir, welche Einstellung Jesus zum Gesetz hatte. In Vers 17 sagte er, dass er nicht „gekommen ist, es aufzulösen, sondern zu erfüllen.“ Danach bringt er einige Beispiele, in denen er sagt: „Ihr habt gehört, dass gesagt wurde … Ich aber sage euch …“: Z. B. das Gebot „du sollst nicht ehebrechen“ weitete er auf unreine Gedanken und Blicke aus, „du sollst nicht morden“ auf Hass und Verachtung; er lehrte auch Neues über das Schwören oder die Feindesliebe. Jesus gab den alttestamentlichen Gesetzen den tieferen, eigentlichen Inhalt – das betrifft auch den Sabbat. Auch wenn es hier nicht erwähnt wird, sehen wir doch, dass er das Sabbatgebot in seinem Leben durch die tägliche Hingabe und Liebe in vollkommener Weise erfüllt hat.

4. Welche Einstellung hatten die ersten Christen zum Sabbat?

Eine erste Feststellung ist, dass wir im Neuen Testament keine einzige Stelle finden2, in der Christen wegen der Vernachlässigung des Sabbats ermahnt werden. Aber da der Sabbat dem Volk Israel gegeben worden war, war es natürlich, dass sowohl Jesus als auch die Apostel3 das Sabbatgebot hielten. Das zeigt aber noch nicht, dass sie es taten, weil sie es als für die Erlösung notwendig sahen oder dass auch wir heute den Sabbat halten sollen. Für uns ist eher die Situation der Christen relevant, die aus den (nichtjüdischen) Völkern stammten.

Es ist eine wichtige Frage, ob wir im Neuen Testament auch nur einen einzigen Hinweis in die Richtung finden, dass auch die nicht aus dem Judentum kommenden Christen den Sabbat halten sollten. Als das sogenannte Apostelkonzil in Jerusalem bestimmte, welche Dinge die Christen, die sich aus dem Heidentum bekehrt hatten, beachten sollten, wurden vier Punkte erwähnt, die für die Gemeinschaft mit den Judenchristen bzw. um Juden mit dem Evangelium erreichen zu können, für notwendig erachtet wurden. Das Halten des Sabbats war nicht darunter. Von den Aposteln wagte keiner, den Heidenchristen das Joch des Gesetzes aufzuerlegen. Es wurde von ihnen nur erwartet, dass sie sich den Götzen4, der Unzucht5, dem Fleisch erstickter Tiere und vom Blutessen enthalten. (Apostelgeschichte 15,10-21)

Paulus schrieb an die Römer:

Der eine hält einen Tag vor dem anderen, der andere aber hält jeden Tag gleich. Jeder aber sei in seinem eigenen Sinn völlig überzeugt! Wer den Tag beachtet, beachtet ihn dem Herrn. Und wer isst, isst dem Herrn, denn er sagt Gott Dank; und wer nicht isst, isst dem Herrn nicht und sagt Gott Dank. (Römer 14,5-6)

Dass jemand “einen Tag vor dem anderen” hält, ist ein klarer Hinweis auf den von manchen Judenchristen noch eingehaltenen Sabbat. Es gab keinen anderen Tag, den einige “dem Herrn beachtet” hätten. Paulus wollte nicht, dass alle den Sabbat und die Speisegesetze halten. Aus dem Zusammenhang (Verse 2 und 14) sieht man sogar, dass er die, die das Gesetz (hier Sabbat und Speisegebote) hielten, als schwach sah. Die Judenchristen hingegen, die verstanden hatten, dass sie das Gesetz nicht mehr zu halten brauchen, nennt er stark. Wenn er von diesen Judenchristen nicht fordert den Sabbat zu halten, wie viel weniger würde er das von Heidenchristen erwarten?

Das Neue Testament enthält Briefe auch an Gemeinden, in denen manche Heidenchristen in Gefahr waren, dass sie sich dem Gesetz zuwenden. Paulus ermahnte sie sehr streng:

Damals jedoch, als ihr Gott nicht kanntet, dientet ihr denen, die von Natur nicht Götter sind;  jetzt aber habt ihr Gott erkannt – vielmehr seid ihr von Gott erkannt worden. Wie wendet ihr euch wieder zu den schwachen und armseligen Elementen zurück, denen ihr wieder von neuem dienen wollt? Ihr beobachtet Tage und Monate und bestimmte Zeiten und Jahre. Ich fürchte um euch, ob ich nicht etwa vergeblich an euch gearbeitet habe. (Galater 4,8-11)

Beachten wir die Argumentation von Paulus: Die Galater waren früher Heiden und dienten Götzen. Ihre religiösen Praktiken hatten keine Kraft, sie Gott nahe zu bringen. Jetzt kehren sie zu diesem Niveau zurück. Dass sie nun Tage und Monate beobachten (was sich auf den Sabbat und andere jüdische Feste bezieht), betrachtet Paulus als ein Zurückwenden zu den schwachen und armseligen Elementen – das heißt auf die selbe Ebene wie die heidnischen Feste und Rituale, in denen sie versklavt waren (Verse 8 und 9).

An anderen Stellen schreibt er ihnen:

Ich wundere mich, dass ihr euch so schnell von dem, der euch durch die Gnade Christi berufen hat, abwendet zu einem anderen Evangelium, […] (Galater 1,6)

und:

Unverständige Galater! Wer hat euch bezaubert, denen Jesus Christus als gekreuzigt vor Augen gemalt wurde? Nur dies will ich von euch wissen: Habt ihr den Geist aus Gesetzeswerken empfangen oder aus der Kunde des Glaubens? Seid ihr so unverständig? Nachdem ihr im Geist angefangen habt, wollt ihr jetzt im Fleisch vollenden? So Großes habt ihr vergeblich erfahren? Wenn es wirklich vergeblich ist! Der euch nun den Geist darreicht und Wunderwerke unter euch wirkt, tut er es aus Gesetzeswerken oder aus der Kunde des Glaubens? (Galater 3,1-5)

All das sind sehr ernste Ermahnungen für die Christen. Wenn sie einmal zum Glauben an Jesus gekommen sind, aber sich dann dem Gesetz zuwenden (was die Beobachtung von Tagen mit einschließt), werden sie nicht gerettet werden.

Auch in Kolossä gab es eine ähnliche Gefahr:

So richte euch nun niemand wegen Speise oder Trank oder betreffs eines Festes oder Neumondes oder Sabbats, die ein Schatten der künftigen Dinge sind, der Körper selbst aber ist des Christus. (Kolosser 2,16-17)6

Auch die Christen dort waren von der Gefahr bedroht, dass sie menschliche Lehren annehmen und das Gesetz halten. Daraus folgt, dass die Heidenchristen weder das Gesetz noch den Sabbat hielten.

Die in diesem Abschnitt zitierten Bibelstellen sind nur einige Beispiele, die man besser verstehen kann, wenn man jeweils den gesamten Zusammenhang liest.

5. Sollen wir aufgrund der 10 Gebote den Sabbat halten?

Manche Menschen gehen davon aus, dass das mosaische Gesetz aus 2 Arten von Gesetzen besteht: das Sittengesetz (das Gesetz Gottes), das man in den 10 Geboten findet, und das Zeremonialgesetz (das Gesetz Moses), das Opfervorschriften, Beschneidung… beinhaltet. Das Sittengesetz wird als ewig gültig gesehen – für alle Menschen zu allen Zeiten, also auch für Christen heute, wogegen das Zeremonialgesetz mit Jesus sein Ende gefunden hat. In der Bibel finden wir diesbezüglich jedoch keine Unterscheidung, z. B. wird in Nehemia 8,2+8 das Gesetz Moses und das Gesetz Gottes austauschbar verwendet.

Wir können uns Beispiele von Jesus ansehen, in denen er sich nicht nur auf den Dekalog7 bezog, wenn er von Geboten sprach. Als z. B. der reiche Jüngling ihn fragte, welche Gebote er halten solle, um ewiges Leben zu haben, antwortete er ihm:

… Wenn du aber ins Leben hineinkommen willst, so halte die Gebote! Er spricht zu ihm: Welche? Jesus aber sprach: Diese: Du sollst nicht töten; du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht falsches Zeugnis geben; ehre den Vater und die Mutter; und du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst! Der junge Mann spricht zu ihm: Alles dies habe ich befolgt. Was fehlt mir noch? Jesus sprach zu ihm: Wenn du vollkommen sein willst, so geh hin, verkaufe deine Habe und gib den Erlös den Armen! Und du wirst einen Schatz im Himmel haben. Und komm, folge mir nach! Als aber der junge Mann das Wort hörte, ging er betrübt weg, denn er hatte viele Güter. (Matthäus 19,17-22)

Jesus erwähnte nicht alle Gebote des Dekalogs (auch nicht den Sabbat). Andererseits spricht er von einem Gebot, das nicht in den 10 Geboten zu finden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst! (3. Mose 19,18). Den Nächsten zu lieben ist viel mehr als nichts von ihm zu nehmen, was ihm gehört (stehlen) oder ihn nicht umzubringen. Jesus möchte deutlich machen, was das Wichtigste ist: Wir sollen vollkommen sein, indem wir ihm nachfolgen. Er ermunterte den reichen jungen Mann, nicht nur einen Teil zu geben (einige Gebote zu halten), sondern von ganzem Herzen alles für Gott einzusetzen.

Das ist die Gesinnung, zu der Jesus die Menschen in verschiedener Weise ermunterte. Auch in der Situation, als Jesus gefragt wurde, welches das wichtigste Gebot sei, antwortete er:

… Das erste ist: „Höre, Israel: Der Herr, unser Gott, ist ein Herr; und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen und aus deiner ganzen Seele und aus deinem ganzen Verstand und aus deiner ganzen Kraft!“ Das zweite ist dies: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!“ Größer als diese ist kein anderes Gebot. (Markus 12,29-31)

Jesus gab ein neues Gebot (Johannes 13,34-35). Er erklärte seinen Jüngern in viel tieferer Weise, was sie tun und was sie lassen sollen: Es wäre sehr schlecht, sich darauf auszuruhen, nicht zu töten, aber zornig über seinen Bruder zu sein (Matthäus 5,22). Nicht nur Ehebruch zu begehen ist sehr böse, sondern auch eine Frau lüstern anzuschauen (Matthäus 5,27). Jesus hat nicht das Gesetz und die 10 Gebote abgeschafft (Matthäus 5,17), sondern hat vielmehr den tieferen Sinn des Gesetzes verdeutlicht. Gott hat die Menschen durch die 10 Gebote sehr grundsätzliche Moralprinzipien und Gesetze gelehrt, denen sogar diejenigen zustimmen können, die ihre Rechtfertigung in ihren Taten suchen (Matthäus 23,23). Nur wer sich dafür entscheidet, Gott und seinen Nächsten aus ganzem Herzen zu lieben, wird auch verstehen, dass Jesus zu folgen bedeutet, alles zu geben und sich keine Grenzen in der Hingabe zu setzen.

Paulus erklärt in seinem Brief an die Römer Kapitel 7,4-7, dass wir dem Gesetz gegenüber gestorben sind und so in neuer Weise im Geist dienen können.

Oder wisst ihr nicht, Brüder – denn ich rede zu denen, die das Gesetz kennen –, dass das Gesetz über den Menschen herrscht, solange er lebt? Denn die verheiratete Frau ist durchs Gesetz an den Mann gebunden, solange er lebt; wenn aber der Mann gestorben ist, so ist sie losgemacht von dem Gesetz des Mannes. So wird sie nun, während der Mann lebt, eine Ehebrecherin genannt, wenn sie eines anderen Mannes wird; wenn aber der Mann gestorben ist, ist sie frei vom Gesetz, so dass sie keine Ehebrecherin ist, wenn sie eines anderen Mannes wird. So seid auch ihr, meine Brüder, dem Gesetz getötet worden durch den Leib des Christus, um eines anderen zu werden, des aus den Toten Auferweckten, damit wir Gott Frucht bringen. Denn als wir im Fleisch waren, wirkten die Leidenschaften der Sünden, die durch das Gesetz erregt wurden, in unseren Gliedern, um dem Tod Frucht zu bringen. Jetzt aber sind wir von dem Gesetz losgemacht, da wir dem gestorben sind, worin wir festgehalten wurden, so dass wir in dem Neuen des Geistes dienen und nicht in dem Alten des Buchstabens. Was sollen wir nun sagen? Ist das Gesetz Sünde? Auf keinen Fall! Aber die Sünde hätte ich nicht erkannt als nur durchs Gesetz. Denn auch von der Begierde hätte ich nichts gewusst, wenn nicht das Gesetz gesagt hätte: „Du sollst nicht begehren!“ (Römer 7,1-7)

Paulus vergleicht eine verheiratete Frau, deren Ehemann gestorben ist, mit dem, was es heißt, dem Gesetz durch Christus gestorben zu sein. Das Gesetz in den Versen 4-6 muss sich auch auf die 10 Gebote beziehen, weil er ein Gebot aus dem Dekalog in Vers 7 (du sollst nicht begehren) erwähnt.

Wie man aus den weiteren Gedanken des Paulus (Römer 7 und 8) erkennen kann, bedeutet Freiheit vom Gesetz keinen Abstieg unter das Niveau des mosaischen Gesetzes, sondern im Gegenteil in der Nachfolge Jesu unser Leben in der Hingabe Gott gegenüber leben zu können, worin auch das Sabbatgebot seine tiefere Erfüllung findet.

6. Schlussfolgerung: Sabbat, Sonntag oder jeder Tag?

Tatsächlich ist es für unsere Beziehung mit Gott sehr wichtig, dass wir Ihm unsere Zeit widmen. Die ersten Christen haben sich jeden Tag Zeit genommen, gemeinsam zu beten, einander zu ermuntern und zu helfen (Apostelgeschichte 2,37-47; 5,42, Hebräer 3,12-14). Wir glauben, dass es für jeden Christen ganz natürlich ist, dass er all seine freie Zeit dafür verwendet, Gottes Reich zu bauen. Wir freuen uns darüber, dass wir sowohl an Samstagen (Sabbaten) als auch an Sonntagen nicht arbeiten müssen, und die Zeit am Wochenende ganz dafür verwenden können, uns mit Geschwistern im Glauben zu treffen und so gemeinsam Gott zu loben und anderen Menschen zu helfen, den Weg zu ihm zu finden.

Die neutestamentliche Erfüllung des Sabbats liegt nicht darin, dass die Christen einen besonderen Tag gehalten haben (weder Sabbat noch Sonntag), sondern dass sie ihr Leben jeden Tag Gott weihten. Das Neue Testament liefert auch keine Hinweise darauf, dass der Sabbat durch den Sonntag ersetzt werden soll. Können wir wirklich glauben, dass der größte geistliche Kampf der Geschichte nach Jesus darin besteht, ob man den Samstag oder Sonntag halten soll? Wenn jemand darüber streitet, ob man den Sabbat oder den Sonntag halten soll, zeigt es, dass er Jesu Botschaft noch nicht verstanden hat. (Weitere Themen, die unsere Gedanken vertiefen können, sind: „Über das Leben der ersten Christen“, „Die Gemeinde im Neuen Testament“.)

Gott will nicht, dass wir gewissen Formen einhalten, sondern dass wir uns ganz für ihn hingeben, seinen Willen suchen. Wenn wir einen Tag so herausheben, obwohl das Neue Testament uns einen höheren Maßstab der Hingabe lehrt, zeigt das nicht die mangelnde Bereitschaft, die restlichen Tage ganz für Gott zu geben?

Er aber sprach zu ihm: “Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Verstand.” Dies ist das größte und erste Gebot. Das zweite aber ist ihm gleich: “Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.” An diesen zwei Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten. (Matthäus 22,37-40)

Wir sind uns dessen bewusst, dass es sich um ein sehr umfangreiches Thema handelt. In diesem kurzen Artikel können nicht alle Fragen beantwortet werden. Du bist eingeladen, uns zu kontaktieren bzw. deine Fragen zu stellen.

 

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Fußnoten:
  1. Gottes Hauptgebot war immer: Du sollst den HERRN, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft! (5. Mose 6,5). Die Gläubigen, die Gott ihr ganzes Leben schenken wollen, dienen Gott jeden Tag mit ganzem Herzen, sie loben ihn und verherrlichen ihn. Bereits zur Zeit des Alten Testaments war das natürlich: Psalm 35,28; 35,28; 61,9; 71,8.15.24; 72,15; 145,2, 1. Chronik 16,37. Wer Gott vertraut, ruft ihn jeden Tag an: Psalm 86,3; 88,10. Deswegen erwarteten sie auch den Messias, damit „wir […] ohne Furcht ihm dienen sollen in Heiligkeit und Gerechtigkeit vor ihm alle unsere Tage.“ (Lukas 1,74-75) Wie könnte man einen Tag besser heiligen? 
  2. im Gegensatz zum Alten Testament: z. B. Nehemia 13,15-22;  Jesaja 58,13-14; Jeremia 17,19-27 
  3. Für die Anfangszeit der Gemeinde kann man das voraussetzen. Nachdem das Evangelium aber die Heiden erreicht hatte, gibt es berechtigte Gründe anzunehmen, dass z. B. Petrus (Galater 2,14) und Paulus (1. Korinther 9,19-22) auf das Halten des Sabbats verzichtet haben 
  4. Götzenoperfleisch 
  5. gemeint ist die Verwandtenehe 
  6. Hier sind die Feste nach der jährlichen Häufigkeit geordnet: jährliche, monatliche und wöchentliche jüdische Feste. 
  7. 10 Gebote